Fundstück: J-Jollen vor St. Moritz

Am 29.7.1939 fand auf dem St.Moritz-See in 1817 m Höhe eine J-Jollen Regatta statt. Diese ist auch in einem legendären Film verewigt, der hier im Yachtsportmuseum zu sehen ist. H. Steiner hat uns nun einige Fotos aus der Zeit um 1964 von einigen dieser Boote zur Verfügung gestellt.

Hier der Link: Film J-Jollen vor St. Moritz (bitte ein wenig nach unten scrollen).
H. Steiner besaß in den 60er Jahren die J-Jolle J-224, "Mitsou". Diese hat zwar nicht an den Wettfahrten vor St. Moritz teilgenommen, jedoch die J-488 "Monika", die Herr Steiner noch selber erlebt hat. J-488 war zunächst auf dem Zürichsee beheimatet, später auf dem Bodensee. Doch nun soll er selbst mit einigen Anmerkungen zu Wort kommen:
Eine der J-Jollen kannte ich vom Bodensee, J-488, "Monika". In Staad (Konstanz) gab es auch eine "Nelly" J-529. Diese "Nelly" wurde aber leider in den letzten Jahren verschrottet. Einen der Vorbesitzer, F. Wiggenhauser, kannte ich noch. Das ehemalige Boot des W. Weisshaar, "Kiebitz XV", J-416, mit dem er lange Jahre meist die J-Jollen-Regatten gewann, wurde schon 2016 verschrottet. Die letzten Besitzer von J-416 und J-529 hatten offensichtlich kein Gefühl für diese schönen alten Boote. Erstbesitzer des "Kiebitz XV" J-416 war auch M. Huber, der alle seine Boote Kiebitz nannte. Im Film ist es die Nummer J-504.  Mein ehemaliges Boot war J-224, "Mitsou", das heute noch am Bodensee gesegelt wird. Werft Lehmann, Berlin, 1923. Das Boot hatte Hochtaklung. In der Yacht online habe ich jetzt gefunden, daß ich einmal den 3. Platz bei der Regatta "Rund um den Überlinger See" belegt habe. Hatte ich schon janz vajassn! 
Ja, da waren wunderschöne Boote an der Regatta beteiligt. 
Meines war leider schon etwas geflickt, wie man auf dem Foto sehen kann. Das war aber alles schon so, als ich es kaufte. Später habe ich es deshalb weiß gestrichen, was nicht allen Seglern im SVS gefiel. Dabei hatte ich ein großes Vorbild, den bekannten Regattasegler und Erfinder Dr. Manfred Curry, dessen "Aero III" auch weiß gestrichen war. Das Material zum Ausbessern holten wir uns aus der Schweiz, von einer Firma, die Mahagoniholz verarbeitete. Das war günstiges Abfallholz, aber die Farben paßten nicht immer. Den ganzen Winter über wurde dann im zugigen Bootsschuppen an den Booten gearbeitet, Planken ausgebessert und neue Spanten eingezogen. Sogar einen neuen Steven habe ich einmal aus einem Eichenblock herausgearbeitet. Ein Segelkamerad hatte einen transportablen, mit Holz beheizbaren Kessel, wo wir die Planken und Spanten weich "kochten", um sie besser biegen zu können. Planken und Spanten wurden mit einer Fahrradspeiche, die vorne breit geschlagen und spitz zugeschiffen war, durchgebohrt. Dann wurden die Spanten mit Kupfernieten befestigt. Unten hielt einer dagegen. Die Boote wurden jedes Jahr neu lackiert. Besonders viel Wert wurde auf das Schleifen und Lackieren des Unterwasserschiffes gelegt. Als Krönung wurde dann noch der Kupferlack mit feinstem Wasserschleifpapier nachbearbeitet, das sollte das Boot besonders schnell machen. 

J-224 "Mitsou"   1923, Lehmann, Berlin. Heute noch am Bodensee

J-270 "Skidnir"   1924, Drewitz, Werft Hermann Hannover. Heute Hamburg
Wie man auf dem Foto sieht, war der Bootskörper von J-270 "Skidnir" 1962 noch wunderbar erhalten. Später wurde er in Kunststoff verpackt - grausam! Der neue Besitzer hat das Boot von diesem Panzer wieder befreit. Ich weiß, wieviel Arbeit das war.
J-529 "Nelly"     2018? verschrottet