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Harry Wustrau (1878 - 1945)

Harry Wustrau wurde am 15. Oktober 1878 in Berlin geboren. Er besuchte das Köllnische Gymnasium in Berlin und trat anschließend als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Zunächst machte er eine dreivierteljährige Reise an Bord des Segelschulschiffes Gneisenau, verließ aber dann die Marine, um das Studium des Schiffbaus an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zu beginnen. Seine praktische Arbeitszeit absolvierte er auf der Kaiserlichen Werft in Kiel. Wustraus Vater war ein bekannter Berliner Segler, der sich von seinem Sohn Harry seine Yachten, die alle den Namen Darlingtrugen, konstruieren ließ. Mit einem Stipendium der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg aus-gerüstet, konnte Wustrau 1906 als Student eine ausgiebige Reise nach Amerika machen. Er nutzte die Zeit, um in Marblehead bei Boston als Steuermann der Glückauf von Gustav Stinnes an den Deutsch-Amerikanischen Regatten der Sonderklassenyachten teilzunehmen. Die Glückauf war eine Konstruktion von Max Oertz.
Nach bestandener Diplomprüfung 1908 schlug Harry Wustrau die Laufbahn eines Marinebaubeamten ein. Er wurde zunächst auf die Kaiserliche Werft in Kiel kommandiert, wo ihm ausgiebig Zeit verblieb, sich mit der Konstruktion von Segelyachten zu beschäftigen.
Von 1913 bis 1917 war Wustrau Assistent von Geheimrat H. Bürkner, dem Chefkonstrukteur der Kaiserlichen Marine im Reichsmarineamt in Berlin. In dieser Position konnte er sich in beachtlichem Umfang an der Konstruktion der großen Schiffe der Kaiserlichen Marine beteiligen.
In den Jahren 1917/18 wurde Wustrau in die Türkei geschickt. Dort montierte und erprobte er Motorboote für den Einsatz auf dem Euphrat, die in Deutschland in Teilen gefertigt und mit der Bagdadbahn zu einer Werft in Adana gebracht wurden.
Anfang 1918 wurde er nach Konstantinopel kommandiert, um sich als schiffbaulicher Sachverständiger an der Reparatur des Schlachtkreuzers Yavuz der Türkischen Marine zu beteiligen. Die Yavuz war ursprünglich als Schlachtkreuzer Goeben von 1909-1912 bei Blohm & Voss für die Kaiserliche Marine gebaut worden. Sie war als Flaggschiff der Mittelmeerdivision im Mittelmeer eingesetzt. 1914 schenkte der Deutsche Kaiser der Türkischen Marine das Schiff, da eine weitere militärische Verwendung unter deutscher Flagge nichtmehr sinnvoll geworden war.
Nach dem ersten Weltkrieg schied Wustrau aus den Diensten der Marine aus und wurde Betriebsleiter der Deutschen Werke in Kiel, die sich als Nachfolgerin der Kaiserlichen Werft überwiegend zivilen Aufgaben widmete. Er übernahm die Abteilung für den Bau von Motor- und Segelyachten und konnte zahlreiche Yachten eigener Konstruktion bauen. Wustrau wurde einer der bekanntesten Yachtkonstrukteure des Nachkriegsdeutschlands.
In großen Stückzahlen gebaut und besonders gut bewahrt hatte sich die Konstruktion des Einheits-Marinekutters für die Reichsmarine, der praktisch unverändert auch in die Bundesmarine eingeführt wurde. Nach dem Tod seines Vaters übersiedelte Wustrau nach Berlin, wo er teils als Dozent an der Technischen Hochschule Berlin, teils im väterlichen Betrieb tätig wurde. Er beschäftigte sich weiterhin ausgiebig mit dem Yachtbau. Wustrau wurde u.a. Chefredakteur der Zeitschrift ,,Die Yacht" und Vorstandsmitglied des Deutschen Segler-Verbandes.
Als Beauftragter der Reichsmarine hat er die Segelschulschiffe Gorch Fock, Albert Leo Schlageter und Horst Wessel entworfen. Der sehr gelungene Linienentwurf ist dann später auch für den Bau der Gorch Fock (II) der Bundesmarine verwendet worden.
1933 berief man Wustrau als Lehrer an die Marineschule in Flensburg-Murwik. Dort übernahm er die gesamte Ausbildung im Fach Schiffbau.
1939 erlitt Wustrau einen Schlaganfall, der ihn für längere Zeit dienstuntauglich machte. Dennoch hat er in dieser Zeit die Überarbeitung seines sehr populären Buches ,,Schiff und Seemann" in der 5. und 6. Auflage bearbeiten können. Sein schon 1917 herausgebrachtes Buch ,,Vom Kanu zum kleinen Kreuzer" hat viele Jahrzehnte einen interessierten Leserkreis gefunden. Marinebaurat Harry Wustrau ist am 28. Marz 1945 verstorben.

35 qm-Kreuzer Helga
Das diesjährige Auslosungsboot des K.Y.C. Entworfen von H. Wustrau. Erbaut auf den Werken, Werft Kiel A.G.
(Yacht 1921 Heft 31 )

Quellen / Links:

  • 100 Jahre Schiffbautechnische Gesellschaft - Biografien S. 547

 

Lebenslauf:

15. Oktober 1878 in Berlin geboren
besuchte das Köllnische Gymnasium in Berlin
trat als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein
dreivierteljährige Reise an Bord des Segelschulschiffes Gneisenau
Schiffbau-Studium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zu beginnen
praktische Arbeitszeit auf der Kaiserlichen Werft in Kiel
1906 als Student ausgiebige Reise nach Amerika
Steuermann der Glückauf von Gustav Stinnes in Marblehead bei Boston
bestand Diplomprüfung 1908
Laufbahn eines Marinebaubeamten
Kaiserliche Werft in Kiel
1913 bis 1917 Assistent von Geheimrat H. Bürkner, Chefkonstrukteur der Kaiserlichen Marine im Reichsmarineamt in Berlin
wurde 1917/18 in Türkei geschickt
montierte und erprobte Motorboote für Einsatz auf Euphrat
wurde Anfang 1918 nach Konstantinopel kommandiert
schiffbaulicher Sachverständiger für Reparatur des Schlachtkreuzers Yavuz der Türkischen Marine
schied nach I. Weltkrieg aus den Diensten der Marine aus
wurde Betriebsleiter der Deutschen Werke in Kiel
übernahm Abteilung für Bau von Motor- und Segelyachten
konnte zahlreiche Yachten eigener Konstruktion bauen
wurde einer der bekanntesten Yachtkonstrukteure des Nachkriegsdeutschlands.
übersiedelte nach Tod seines Vaters nach Berlin
teils Dozent an der Technischen Hochschule Berlin
teils im väterlichen Betrieb
wurde u.a. Chefredakteur der Zeitschrift ,,Die Yacht" und Vorstandsmitglied des Deutschen Segler-Verbandes
1933 Lehrer der Marineschule in Flensburg-Murwik
übernahm die gesamte Ausbildung im Fach Schiffbau
1939 erlitt Wustrau einen Schlaganfall
längere Zeit dienstuntauglich
verstorben am 28. Marz 1945

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