America's Cup der Zwölfer, "Yacht" 1958-1964

Text + Recherche: Wilfried Beeck

Evaine und Sceptre 1958

Bereits vor dem Krieg hatte es Anregungen gegeben, den America's Cup nicht mehr auf den großen und teuren J-Class Yachten auszutragen, sondern auf Zwölfer zu wechseln. Der Eigner von Evaine, Sir Richard Fairey, der wie der Endeavour Eigner Sir Thomas Sopwith aus der Flugzeugindustrie kam, hatte beim New York Yacht Club 1937 erstmals nach einer Herausforderung auf Zwölfern angefragt. In den USA gab es aber zu dem Zeitpunkt nur wenig Erfahrung mit Zwölfern und so lehnte der NYYC den Antrag ab. Nachdem der Cup-Verteidiger Harold Vanderbilt jedoch 1939 mit seinem von Olin Stephens entworfenen Zwölfer Vim die gesamte englische Flotte geschlagen hatte, waren die Amerikaner nach dem Krieg offener für den Wechsel. 1956 einigten sich Henry Sears, Commodore des NYYC, und Sir Ralph Gore, President des YRC, auf dieses neue Format. Was vermutlich niemand ahnte war, dass die Klasse nahezu unverändert bis 1987 die Basis für zehn America's Cup Herausforderungen bilden würde, mehr als jede andere Klasse zuvor. Zahlreiche Yacht-Innovationen wurden in dieser Zeit auf Zwölfern entwickelt. Und obwohl der NYYC bei jeder Cup-Verteidigung einen harten internen Ausscheidungskampf durchführte, konnten sich bis 1980 immer wieder Designs von Olin Stephens durchsetzen. Besonders hervorzuheben sind sicherlich Vim und Intrepid. Auch wenn Vim den Cup nie selber verteidigte, so war das Boot doch fast 20 Jahre lang die Messlatte für alle anderen Zwölfer und unterlag 1958 in der Vorausscheidung nur knapp der Columbia. Intrepid brachte 1967 ein sehr radikales Design, zu erkennen nicht nur am abgeschnittenen Heck und am innovativen Decks-Layout, sondern vor allem auch am Übergang vom Langkieler zum Kurzkieler mit separatem Ruder. Die konsequente Umsetzung von Technologie-Knowhow zum einzigen Zweck, den Kurs schneller zu runden, ist bis heute wegweisend für den America's Cup.

Columbia 1958

Als die Engländer 1958 mit Sceptre herausforderten, waren die Hoffnungen groß. War man in den 30er Jahren mit den J-Class Yachten noch stark durch das Reglement benachteiligt, dass die Yachten auf eigenem Kiel anreisen mussten, so war diese Auflage jetzt weggefallen. Was man allerdings in England unterschätzte, war die Bedeutung von Modell-Tests in Tank-Schleppversuchen. Die Amerikaner waren auf dem Gebiet sehr weit und Olin Stephens hatte die Schleppversuche bereits beim Design von Vim intensiv genutzt. Und wenngleich die Engländer theoretisch den Vorteil hatten, dass sie mehr Zwölfer besaßen, die man für Vergleichsrennen hätte heranziehen können, so wurde dies nicht genutzt. Man vertraute vielleicht zu sehr auf die Vorteile des sogenannten Herbulot Nylon-Spinnakers, der durch schiere Größe das Boot auf der Vorwind-Strecke bevorteilen sollte. Das Gegenteil war später der Fall. Die Amerikaner verwendeten einen besser geschnittenen kleinen Spinnaker. Eine weitere Sceptre-Innovation war ein riesiges Cockpit, welches allerdings später verboten wurde. Am Ende trat ein Schwerwetter-Boot an, das sich in den leichten Winden vor Newport als chancenlos erwies und in späteren Rennen selbst gegen die älteren englischen Zwölfer Evaine, Trivia, Tomahawk und Flica unterlegen war. Berühmt geworden ist der Satz von Olin Stephens, nachdem er das erste mal Sceptre begutachtet hatte: "If she is right, we're all wrong". Es zeigte sich, dass Olin Stephens nicht so falsch lag und Sceptre wurde von Columbia glatt mit 4:0 besiegt. Carlton Mitchell beschreibt dies ausführlich in seinem Buch "The Summer of the Twelves". Ein Novum der 58er Verteidigung waren die aufwändigen internen Ausscheidungsrennen der Amerikaner. Sie hatten mit Vim, Columbia, Weatherly und Easterner gleich vier hervorragende Boote. Das finale Match, das Columbia gegen Vim mit 3:2 für sich entschied, war daher auch weitaus spannender, als die eigentliche Cup-Verteidigung gegen Sceptre.

Columbia 1958

Nach der verlorenen Kampagne von 1958 kamen neue Initiativen für eine Herausforderung in England nur stockend voran. Zur Überraschung vieler kam daher die nächste Herausforderung von den Commonwealth-Vettern aus Down-under. Die Australier hatten schnell erkannt, dass sie ein gutes Trainingsboot brauchen würden, um eine Cup-Kampagne von Null zu starten. Und welchen besseren Trainingspartner hätte man finden können, als den Sparringspartner des Cup-Verteidigers? So charterten sie Vim für 4 Jahre und kamen 1962 mit dem Zwölfer Gretel nach Newport. Die Amerikaner waren nach dem überragenden Sieg gegen Sceptre sehr selbstbewusst und hatten den Australiern sogar erlaubt, Tank-Tests in den USA durchzuführen. Sir Frank Packer nutze dies ausführlich und das Resultat war ein Zwölfer, der Vim tatsächlich in den Trainingsregatten regelmäßig schlagen konnte. Nur ein eingespieltes US-Team um Bus Mosbacher konnte mit einem 4:1 Sieg verhindern, dass die Australier schon 1962 den Cup entführen. Aber der Anfang war gemacht und sie würden wieder kommen.

Sceptre mit dem Herbulot Spinnaker

Über die englische Kampagne von 1964 gibt es widersprüchliche Meinungen. Die einen sagen, die Engländer hätten aus den Fehlern von 1958 gelernt und daher von vornherein eine 2-Boot Kampagne aufgesetzt mit entsprechenden Trainingsbooten. Die anderen behaupten, es war gerade das Konzept von zwei völlig identischen Booten, das die Fehler implizierte. Anders als bei den Amerikanern konnte man nicht zwischen zwei wirklichen Alternativen wählen und eine sinnvolle Vorausscheidung treffen. Die Wahl von Sovereign statt Kurrewa spiegelte mehr die Leistung der Crew wieder als die Stärke des Schiffs. Und so verwundert es nicht, dass die Amerikaner auch dieses Boot mit 4:0 wieder nach Hause schicken. Es war für lange Zeit die letzte englische Herausforderung und es war auch die letzte Cup-Verteidigung mit einem "klassischen" 12er Design. Mit Intrepid kam 1967 der erste Kurzkieler mit radikalen Design-Änderungen.

 

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