Rennjollenklassen N, M, Z, J

 

22 qm Rennjolle - Nationale Jolle - Binnenjolle - J Jolle

Diese vier Namen stehen für die anspruchsvollste und älteste deutsche Rennjollenklasse vor dem Zweiten Weltkrieg. 1909 auf Antrag von Hamburger Seglern vom D.S.Vb. als erste nationale Jollenklasse ins Leben gerufen.
Die Bauvorschriften waren:

1910 1916
Länge + Breite 7,80 m 7,80 m
Min. Breite Deck 1,70 m 1,70 m
Max. Länge 6,10 m 6,10 m
Min. Breite K.W.L. 1,50 m 1,50 m
Max. Segelfläche 22 qm 22 qm
Max. Besatzung 3 Mann 3 Mann
Min. Gewicht 450 Kg ---
Bauweise Eiche auf Eiche Klinker karwel
max. Preis 1000,- RM ---
Bezahlte Mannschaft war verboten. ---

Der DSV reagierte hiermit auf das rasannte Wachstum der Kleinsegelei. Das Boot war als billiges Ausbildungsboot gedacht. Bis 1915 wurden etwa 300 solcher ‘Nationalen Jollen’ gebaut. Der Karakter des Ausbildungsbootes verschwand sehr schnell, denn die Segler entwickelten schnelle Renner um in Regatten zu siegen.

1916 wurde die Formel etwas abgeändert: Das Gewichts- und Preislimit verschwanden, die Boote durften mit anderen Hölzern, als Eiche geplankt werden. Sie waren nun karwel zu bauen. Als Segelzeichen wurde 1919 das „J“ (sprich I) eingeführt. Die Jollen wogen nun um 350 Kg bei etwa 6 m Länge und waren mit realer Segelfläche von über 30 qm übertakelt. Die J-Jolle hatten zwei Blütezeiten. Erstens um 1924, bis dahin war sie, neben der 15 qm Rennjolle, die einzige nationale Jollenklasse. Die zweite Blütezeit war von etwa 1934 bis zum Krieg. Die J-Jollenklasse war die erste Jollenklasse in der, ab 1933, eine Europameisterschaft ausgetragen wurde. Die besten Segler waren auf ihr zu Hause. Von 1920 bis Kriegsende wurde die bedeutendste Regatta, der Seglerhauspreis in dieser Rennklasse ausgesegelt. Später wurde dieser Preis in der H-Jolle, dann im FD gefahren. Neuerungen, wie Gabelpinne, später die Auslegerpinne, Curryklemme oder durchgehende Latten wurden zuerst auf den Zweiundzwanzigern in die Regattaszene eingeführt. Nach dem Krieg konnte sich diese teure, übertakelte, und sensible Rennmaschine nicht mehr halten. Die wesentlich billigere, etwa gleich große H-Jolle löste die J-Jolle auf den Regattabahnen ab. J-Jollen konnten sich, bei Reduzierung der Segelfläche auf 15 qm als H-Jolle vermessen werden. Um 1949 gewannen so noch einmal zwei J-Jollen die H-Jollen Meisterschaften. Über 500 J-Jollen wurden zwischen den Kriegen gebaut.
Nach 1945 gingen die besten J-Jollen in die süddeutschen Leichtwindreviere, wo bis 1950 noch einmal 10 Jollen gebaut wurden. Die J-Jollen zeichnen sich durch ein besonders solides Baubesteck aus. Deshalb sind bis heute um die 100 Boote erhalten geblieben.
Einmal jährlich treffen sich die 22 qm Rennjollen aus ganz Deutschland und den benachbarten Alpenrepubliken in Konstanz am Bodensee um ihre Meisterschaft auszusegeln. Dabei zeigt es sich immer noch, daß Konstruktionen aus den 20. Jahren, denen aus den frühen 50. Jahren nicht unterlegen sind. Voraussetzung ist natürlich, daß das eingesetzte Material in vorzüglichem Zustand ist.
Manfred Jacob

 

Freie Rennjollen-Klassen

Die freien Rennjollenklassen haben ihren Ursprung in den Berliner Kleinsegel-Vereinen. Dort gab es schon 1910 einige ‘freie’ Konstruktionsklassen. Die wesentliche Beschränkung der freien deutschen Rennjollenklassen liegt in der Segelfläche. Bei maximaler Segelfläche konnte der Rumpf beliebig konstruiert werden. Die 15 qm Rennjolle wurde vom D.S.Vb. 1914 geschaffen. Die Bauvorschriften lehnten sich an die der 14,5 qm Jolle der ‘Wettfahrtvereinigung Berliner Jollensegler’ an.
Bauvorschriften im heutigen Sinne gab es kaum. Lediglich die Segelfläche wurde vermessen. Das Boot mußte mit Mannschaft unsinkbar sein. Mitte der 20. Jahre wurde beim D.S.B. die minimale Freibordhöhe und die Breite in der Wasserlinie, sowie die minimale Plankenstärke vorgegeben.
Die Plankenstärke brauchte 1925 für die 10 qm Rennjolle nur 6 mm stark sein. Ein weiteres Baubesteck war nicht vorgeben. Bodenwrangen und Spannten waren nicht Vorschrift. Es entstanden die sogenannten Pappschachteln. Kein Wunder, daß keine dieser frühen Rennjollen bis heute überleben konnte. Erst in den dreißiger Jahren wurden gemeinsame Bauvorschriften mit Baubesteck für die 10, 15 und 20 qm Rennjollen geschaffen, die im wesentlichen die Nachkriegszeit überlebten. Die Jollen erhielten ein einfaches Baubesteck. Vorgegeben waren 1936: Ein Kiel aus Eiche, min. Plankendicke von Deck und Außenhaut, Spantentfernung und Spantdicke sowie Maße des Balkwegers.

Die Länge und Breite der Jollen war freigestellt. Die Jollen waren im Gegensatz zu den Wanderjollen oder der J-Jolle extrem schlank und flachbordig gebaut. Die Rümpfe innerhalb einer Klasse konnten sich hinsichtlich der Länge und der Breite stark von einander unterscheiden. Je nach Wind- und Wellenbedingung war eine bestimmte Rumpfform bevor- oder benachteiligt. Die freien Rennklassen brachten extrem schnelle Schiffe hervor. Der 20 qm Rennjolle galt damals als die schnellste Jolle der Welt. Durch die unterschiedlichen Rumpfformen litt jedoch der seglerische Wettkampf. Gewinner war oft derjenige mit dem unter den herrschenden Umweltbedingungen schnellsten Boot und nicht unbedingt der beste Segler.

Bauvorschriften des Deutschen Segler-Verbandes von 1932:
Klasse 20 qm 15 qm 10 qm
Vermessene Segelfläche max. max. 20 qm 15 qm 10 qm
Außenhaut, Dicke min. min. 10 mm 8 mm 8 mm
Deckplanken Dicke min. 10 mm
Spantentfernung von Mitte zu Mitte das Zehnfache der Plankendicke max. x 12 x 10 x 10
Eingebogene Spanten min. 18 mm 15 mm 15 mm
Kiel, Dicke mittschiffs min. 35 mm 30 mm 25 mm
Kiel, Breite mittschiffs min. 140 mm 120 mm 100 mm
Balkweger, Dicke mittschiffs min. 25 mm 20 mm 15 mm
Balkweger, Breite mittschiffs min. 60 mm 55 mm 55 mm
Luftkasteninhalt min. 100 l 80 l 60 l

Segelzeichen D.S.B bis 1934 B M D
Segelzeichen D.S.Vb. ab etwa 1925 Z M N
Besatzung max. 3 2 2
Registrierte Boote 1936 248 301 139
Registrierte Boote 1956 39 24 ---
Manfred Jacob

 

Aktuelle Schiffsliste noch existenter Rennjollen

 

Register des DSV (1949 ff.)

 

Register des DSV (1908 ff)

 

Klassenbestimmungen

 

Fotos und Risse

20 qm Rennjolle (Riss: A. Harms)

15 qm Rennjolle (Riss: A. Harms)

10 qm Rennjolle (Riss: A. Harms)

10 qm Rennjolle (Riss: H. Docter)

22 qm Rennjolle (Riss: A. Harms)

 

Vorgestellt

 

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Hinweise