Scan Bootshaus fA4

Das Bootshaus für die königliche Fregatte ROYAL LOUISE auf der Berliner Pfaueninsel.

Eigentlich war Napoleon schuld ! Der Sieg über ihn veranlasste Großbritannien mit den Königen der beiden anderen Sieger, Russland und Preußen, unter anderem einen Flottenkorso am 23. 06.1814 auf der Themse in London zu gestalten. Friedrich - Wilhelm III, Preußenkönig, wurde von seinem Sohn Wilhelm, später Wilhelm I, begleitet; der berichtete später: „Papa hat ein Boot geschenkt bekommen“.

Dieses kleine Boot, wahrscheinlich eine offene Schaluppe mit drei Masten dekoriert, fuhr dann ca. 14 Jahre auf der Unterhavel, im „preußischen Arkadien“, zwischen den Schlossbauten am Jungfernsee und an der Pfaueninsel und die Havel aufwärts.

Das Überwintern war allerdings nicht fachgerecht, deshalb die kurze Lebensdauer dieses Schiffchens. Nun war man aber gewohnt, per Schiff die Uferlandschaft am Havelfluss, an der Pfaueninsel und an der Glienicker Brücke zu erkunden.

Auf Anfrage aus dem preußischem Hof war der neue britische König, William IV, bereit, ein neues, nun aufwendiger gestaltetes Schiff zu bauen. Als ausgebildeter Marineoffizier war er in der Lage zu beurteilen, wie man die britische Schiffsbaukunst darstellen konnteund ließ eine Miniaturfregatte nach dem Vorbild der Britischen Fregatten von einem der Werftbaumeister in Woolwich bei London, Oliver Lang, konstruieren und bauen. Dieses Schiff konnte keine vollen Fregattenmaß haben, ein Tiefgang von 3-5m war für ein Anlegen in Berlin zu viel. Aber ein verkleinerter Nachbau war denkbar. Einige Earls und Lords in Britannien hielten sich solche Spielzeuge auf ihren Gütern und Seen. Es entsteht ein Vollschiff, dreimastig, mit weißem Kanonengang auf schwarzem Rumpf.

Für diesen nun wertvollen Neubau plant man einen besseren Winterschutz, man fragt bei den britischen Seeoffizieren und in Britannien um Rat. Noch während an der Fregatte gebaut wird, begann die Planung eines überdachten Schuppens nach einem Entwurf des Hofbaurat A.D. Schadow.

Als Bauplatz wurde eine Bucht auf der Südseite der Pfaueninsel/Berlin ausgewählt. Der Sommerliegeplatz, die Matrosenstation am Neuen Garten, Jungfernsee/Havel, war nicht weit entfernt. Hier sollte die Fregatte auf Reede liegen. Der Preußenkönig Friedrich-Wilhelm III wurde unterrichtet, stimmte zu und innerhalb von 6 Monaten war der Fregattenschuppen bereits als Winterlager der königlichen Fregatte ab 1832/33 fertig.

Über den Baupreis in Höhe 16.686 Taler und 28 Groschen war er später nicht amüsiert!

Das Becken des Hafens wurde mit ziegelgemauerten Wänden dreiseitig eingefasst, der Wand- und Dachaufbau erfolgte in neuartiger Bauweise. Um wenigstens die Höhe der Untermasten zu erreichen, brauchte man einen balkenfreien Raum über dem Schiff.

Schadow bediente sich hierzu einer neuen Konstruktion, von D. Gilly, Mitbegründer der Berliner Bauakademie forciert. Brettbohlenbinder, aus mehreren Bohlenbrettern geschnitten und im Verbund konstruiert, hielten einen großen überspannten Raum frei und waren vom Gewicht und Material ideal für diesen fast kirchenschiffartigen Überbau.

Der Holzbau, heute noch original vorhanden, fügte sich in die märkische Landschaft und würde den königlichen Ansprüchen genügen. Bis 1914 war der Fregattenschuppen das im Winter benutzte Hafenbecken für die dann zum Teil abgetakelte Miniaturfregatte ROYAL LOUISE. Im Vorraum zum Inselweg war ein großer Lagerraum für Teile des Schiffes und zum Werkraum der betreuenden Matrosen eingeplant, eine Stube in der Mansarde diente als Schlafunterkunft und Aufenthalt. Ein Küchenhaus entstand am Weg gegenüber, denn in dem Holzschuppen der Fregatte war das Feuermachen verboten. Hier wurde eine „Kochmaschine“, ein gemauerter Herd mit Stahlplatte errichtet. Die Bedienung des Schiffes und die Sorge um den Erhalt wurde den sogenannten Mariniers, einer abkommandierten Truppe der Pioniere, übertragen. Eine Marinemannschaft gab es noch nicht. Noch heute lassen sich die Namenszüge der am Schiff arbeitenden Matrosen aus verschiedenen Jahren des 19. Jahrhunderts an den inneren Wandbrettern des Bootshauses erkennen.

Der Schiffskörper wurde in den ersten Jahren durch einen Pram mit Hilfe von Seil- und Balkenkonstruktionen aus dem Wasser gehoben, eine aufwändige Konstruktion.

Eine Verformung des Rumpfes durch die Auflage auf Lagerhölzern führte zu Undichtigkeiten. 1837, bei einer gründlichen Reparatur wurde nachfolgend auf das Anheben verzichtet und der Bootskörper im Winter im Wasser und Eis, wenn vorhanden, belassen. Durch die Begrenzung der Ummauerung konnte kein Eisgang entstehen, auch der heutige Nachbau der ROYAL LOUISE liegt bei Frost im Eis gefangen. Im 1. Weltkrieg lag das Schiff dann sicher und zufrieden im Fregattenschuppen, Panzerkreuzer waren jetzt das wichtigere Thema.

Nach der Abdankung Wilhelm II. und seiner Abreise nach Doorn/Holland wurde das Schiff erst wieder bewegt, als es von Wilhelm II an den VSaW, einer großen renommierten Segler-Vereinigung am Wannsee, freigegeben wurde. Otto Protzen, der Berliner und internationale Spitzensegler, nimmt sie mit einem Zitat für den Nachwuchs in Empfang. Die „Wannseaten“, die Seglerjugend des Seglerhauses am Wannsee, sollten damit die alten Segelbräuche und Traditionen lernen. Leider nicht all zulange. Die Erhaltungskosten sind groß, 1926 wird das Schiff als Hulk ausgemustert und verkauft. Am Ende des 2. Weltkrieges stand die in Britannien gebaute Fregatte der Könige und Kaiser in Kiel als „deutsches Marinedenkmal“ an Land, aufgetakelt und arg zerzaust. Die britische Besatzung ließ dann den Schiffskörper ausschlachten, zerschneiden und verheizen, es war ein kalter Winter 1945.

Der Fregattenschuppen war verwaist. Bis 1925/26 wurde er benutzt, dann fällt er in einen Dornröschenschlaf. Leider gibt die zeitgenössische Literatur nicht viel her aus dieser Zeit, von diesem Haus. Das Dach wurde mehrmals neu gedeckt, mit Teerpappe in der Zwischenzeit. Auf den Pfaden und in den Häusern der Insel wird sicher gelebt, der Stadtrummel ist weit entfernt. Verschiedene Bauten entstehen auf der Insel, vergehen durch Brandt oder Abriss. Die Menagerie des Königs Friedrich-Wilhelm III, Bären, Tiger, Giraffen und Löwen wird nach Berlin verschenkt, sie bildet den Grundstock des Berliner Zoologischen Gartens. Er hinterlässt dafür Andenken an seine geliebte Frau Luise.

In der Endphase des 2. Weltkrieges kommt die Pfaueninsel noch einmal zu zweifelhaften Ruhm, deutsche Kuriere sollen hier per Flugzeug ausgeflogen oder wenigstens wichtige Papiere an Bord genommen werden. Beides gelingt nicht, die Kuriere retten sich havelabwärts. In den Fregattenschuppen ziehen Flüchtlinge vom Festland ein, vor der russischen Armee geflohen. Am Tag der Bombardierung von Potsdam regnet es weiße Asche auf die Dächer der Pfaueninsel und des Bootshauses.

Einbauten, eine Plattform quer über die Fahrrinne, andere Nutzung als Unterkunft, Lager, Filmkulisse für erste (Stahlnetz)Kriminalfilme, Utensilienkammer der Gärtner auf der Pfaueninsel, ein Stahlträger als Traverse für eine Laufkatze wird eingebaut, private Motorboote sind im Winter im Schuppen untergebracht, sie werden auf die Plattform gesetzt.

Im Jahr 1998 wird dann von einer neuen Nutzung gesprochen. Die neue ROYAL LOUISE, ein Nachbau der 1832 nach Berlin geschenkten britischen Fregatte, in Berlin-Köpenick vom Berliner Senat als Arbeitsbeschaffung nach der Wende aufgelegt, soll wieder in den Fregattenschuppen. Die Verwaltung der Schlösser und Gärten, die das Bootshaus in ihrem Besitz hat, schließt sich an. Gerümpel und Einbauten werden von dem neuen Schiffseigner, dem ROYAL LOUISE Yacht - und Schifffahrtsverein zu Potsdam und mit Hilfe der Stiftung Schlösser und Gärten entfernt.

Die Einfahrt wird beräumt und schiffbar gemacht, die Schiffbaugesellschaft baut ein neues hölzernes Einfahrttor zu den alten Stahlgittern, die noch vorhanden sind.

1999 ist es soweit, der Fregattenschuppen hat nach guten 70 Jahren wieder seine Bestimmung bekommen. Im Winter 1999/2000 liegt die ROYAL LOUISE mit abgetakelten Bram- und Marsstengen im Winterlager. Teile der Spieren ruhen auf den seitlich eingebauten Knacken, es ist verabredet, das Reetdach zu erneuern und der Verein kümmert sich um Erhalt und Nutzung als Denkmal der segelnden Vergangenheit.

Der Verein ROYAL LOUISE e.V. setzt den Flaggenstock am Einfahrtfirst wieder in Schuss und darf die Vereinsflagge mit dem Profil der ROYAL LOUISE im preußischem Doppelbalken setzten. Drei neue Festmacherdalben im Hafenbecken ersetzen einige der morschen alten Dalben, alle Stahlspangen zum Stützen der Dalben werden wieder neu schwarz lackiert. Die Stahlstützen der Rundgangsicherungsleine werden komplett gemacht und gestrichen.

Open Schipp und Open Door Veranstaltungen auf und an der Pfaueninsel bringen das Schiff und den Fregattenschuppen einem breiten Publikum näher. Zum 200. Geburtstag der Namensgeberin, Königin Louise, steht das Schiff an der Pfaueninsel zur Besichtigung, zum Denkmaltag 2019 Berlin/Brandenburg werden in zwei Tagen ca. 700 Besucher gezählt.

Es gibt Besuchern die Möglichkeit, „endlich“ einmal in den geöffneten Schuppen gucken können, er ist ja für die Besucher der Pfaueninsel nicht durchgängig zu besichtigen. Das Schiff liegt nur in der Wintersaison hier und nicht immer sind Vereinsfreunde vor Ort.

Und die Schönheit der Schuppenkonstruktion wird gewürdigt, die Innenansicht, von der Architekturfotografin Mila Hacke, Mitglied im ROYAL LOUISE e.V., ins rechte Licht gesetzt, schmückt das Titelbild des Großcover und den Einband zur Einladung zum Denkmaltag. Der Fregattenschuppen ist in der Geschichte der Berliner Wasserbauten einmalig und unverzichtbar, jeder Berliner Wassersportler kennt vom vorbeifahren seine Einfahrtstore, alle „Dampfertouristen“ sehen die reetgedeckten Flächen des Daches während der Vorbeifahrt in der unteren Enge der Havel an der Pfaueninsel.

Schon weniger kennen die Bedeutung und die Geschichte hinter diesen Toren und Verzierungen. Wenn man vom Glienicker Teil der Havel aufwärts in die Enge fährt, meint man direkt in das ehrwürdige Tor gleiten zu wollen. Die Fähre zum Übersetzen der Besucher und Bewohner der Pfaueninsel wartet mit dem Ablegen vom Uferdalben nicht bis der Segler oder das Ausflugsschiff vorbeigefahren ist, nur auf die ROYAL LOUISE wird Rücksicht genommen, vor allem wenn sie mit SW Wind und einigem Zeug gesetzt durch die Enge segelt. Interessierte Besucher können auf Nachfrage im Besuchershop an der Fährstation dann Einzelheiten erfahren, ein Flyer des Vereins liegt im Regal und am Wegesrand steht vor dem Fregattenschuppen noch eine Tafel mit der Erklärung über Schuppen, Schiff und Beziehung zur Ansicht.

Im Winter 20/21 wird das Schiff wieder teil-abgetakelt, das heißt mit den Untermasten und den Salingbrettern im Schuppen stehen, im Winterhalbjahr 19/20 war unser Werftjahr, in dem alle Spieren und Mastteile abgenommen im Winterlager und im Bootshaus zum bearbeiten lagerten. Schleifen, lackieren, labsalen des stehenden Gutes, zum Teil in beheizten Räumen, aber auch im nicht beheizten Fregattenschuppen. Dort dann natürlich bei erträglichen Temperaturen im Herbst und Frühjahr.

Gegenüber dem Fregattenschuppen, auf der „Festlandseite“, steht das Wirtshaus an der Pfaueninsel, ursprünglich eine Unterstellmöglichkeit für die Karossen der herrschaftlichen Inselbesucher und Wartestelle der Kutscher, dann Versorgung der Pferde und Kutscher, schließlich Wirtshaus und Gartenrestaurant der Berliner Ausflügler. Zu Hunderten wanderten und fuhren sie an die Havel und Seen der Berliner Forsten in Wannsee und Glienicke, besonders auch zur Pfaueninsel. Mit vier Anlegern versehen ist die Enge an der Fährstation gut bestückt für den Ausflugsverkehr. Es geht von hier per „Dampfer“ havelabwärts nach Werder und Potsdam, havelaufwärts zum Wannsee, nach Spandau und Tegel. Sogar Schifffahrtslinien bis nach Charlottenburg und Mitte, also in die Innenstadt Berlins, nehmen hier die letzten Ausflügler mit. Mit der Abendsonne noch ein Blick auf die geschnitzte Firsteinfassung über den Toren, Delphine grüßen in den Giebelecken.

 

Text: Ulli Friedrichs

Fotos: Royal Louise