Kulturelles
Günther Grell (1912 - 1963)

Vorgestellt von Volker Christmann

Günther Grell (1912 - 1963)

Günther Grell war der Chefredakteur der Zeitschrift „Yacht“, die 1949 erst als „Segler-Nachrichten“, ab Mitte 1949 als „Yacht-Nachrichten“ erschien und seit 1950 wieder „Die Yacht“ wurde - so wie noch heute. Und er war Autor vieler Bücher, eine genauere Liste befindet sich am Ende des Artikels.

Geboren wurde er am 2. Januar 1912 in Schleswig, sein Vater war ein niederdeutscher Autor und Theaterkritiker. Von 1931 bis 1935 studierte er in Berlin Zeitungswissenschaft, Theaterwissenschaft, Germanistik und Soziologie. Da er kein Mitglied der NSDAP war, erhielt er anfangs keine Zulassung als Kulturschriftleiter, sondern durfte lediglich Buchbesprechungen veröffentlichen. Ab November 1938 war er Redakteur der „Yacht“ und Lektor des Verlages Delius, Klasing & Co. Im Krieg fuhr er auf Sperrbrechern und Vorpostenbooten in Frankreich, Holland, Dänemark und Norwegen. Nach dem Krieg war er - wie oben erwähnt - von 1949 bis 1961 Schriftleiter der „Yacht“. In der Nacht vom 6. zum 7. November 1963 ist Günther Grell unerwartet verstorben. Noch heute steht sein Arbeitszimmer nahezu unverändert in seinem ehemaligen Haus in Schleswig - an den Wänden Gemälde seines Freundes und Mitstreiters Age Nissen, der die meisten der Grell’schen Bücher mit wunderbaren Zeichnungen versah.

Ein paar Eigenheiten seien erwähnt: Starker Raucher (Juno ohne Filter), Kaffee in der Tasse aufgebrüht und - wenn es mal besonders fröhlich wurde - auch gerne mal des Nachts einen Grog. Und zum Nachdenken ging er gerne in den Garten, wo er kleine Unkrauthaufen hinterließ, die dann Andere entsorgen durften.

Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Yacht - das Grell 1953 feierte, ein Jahr zu früh, das erste Heft erschien am 15. Juli 1904, er war stets zu schnell - fertigte ihm sein Freund Age Nissen eine Zeichnung an mit dem Spruch:
„Der ,alten‘ Yacht und ihrem ,Hetzer‘ die herzlichsten Glückwünsche von Age Nissen“.

Kennzeichnend war auch sein Einsatz eines Fotoapparates. Was mit Worten nur unzureichend zu beschreiben war, wurde fotografiert und so dem Leser näher gebracht. Wunderbares Beispiel: „Alles für Dein Boot“. Die darin enthaltenen Details von Yachtbeschlägen sind bis heute nie wieder so präzise dokumentiert worden. Ein weiteres Buch, „Das Boot für Dich“, war so erfolgreich, dass es einen weiteren Band gab, gleich mehrere Auflagen und die Idee später fortgesetzt wurde in der noch heute erscheinenden Reihe „Bootsmarkt“.

Vielleicht weil ich mich noch gut an die fünfziger Jahre erinnern kann, gefallen mir 2 weitere Bücher von Grell besonders gut:
Instandsetzung von Segel- und Motorbooten. 1958
Besser fahren mit dem Motorboot. 1961.
Natürlich sind in dem Instandsezungsbuch viele Tipps und vor allem Materialien überholt, doch bleibt viel, was gerade für den Eigner klassischer Yachten als Elementarwissen von Nutzen ist.
Das Motorbootbuch enthält tolle Fotos aus der Zeit, amüsante Zeichnungen und etliche sonst schwer zu findende Tabellen zur Geschichte des Motorboots, über Bootsmotoren und
Weltrekorde.
Das kleine Segelbuch von Grell gehört ebenfalls zu meinen Favoriten. Hierin enthalten sind feuilletonistische Segelanweisungen, Kurzbiographien damals bedeutender Segler und Seglerinnen (Käthe Bruns) und herrliche Zeichnungen von Age Nissen.
Oder den meisten älteren norddeutschen Seglern bekannt sein dürften seine Jugendbücher,
allen voran Die Schleipiraten oder Ran an den Wind und - ebenfalls sehr bekannt - Schulboot „Alte Liebe“.
Ein Klassiker war auch sein in mehr als 13 Auflagen erschienenes Lehrbuch Heut geht es an Bord!, das erstmals bereits 1937 erschien und letztmalig 1973, also über 25 Jahre Bestand hatte.
Für uns Segler ist noch ein Bildband erwähnenswert. 1956 erschien großformatig ein schöner Fotoband unter dem Titel „Segel im Wind“, darin viele Schiffe, die wir heute noch bei den Veranstaltungen in Laboe, Flensburg und anderwo sehen.

Allen Büchern gemeinsam ist der unverschämt günstige Preis, kaum eines der Bücher kostet beim Antiquar mehr als 30 Euro, die meisten liegen im Bereich +/- 10,00 Euro. Hier kann man mal ohne große Kosten die Bibliothek bereichern.
Günther Grell hat weitere Bücher geschrieben, u. A. auch Romane. Damit die Aufzählung komplett ist, möchte ich eine Liste seiner Bücher anfügen.
An Bord 3 Wochen zu Mittag kochen. 1956.
Sonne, Wind und weiße Segel. 1937.
Un de See de steit vun achtern un vun vorn. 1947.
Die Seejungfrau. Novelle. 1937.
Die Muse des Herrn Johannes. 1947.
Arne Postgraf. Roman. 1944.
Lebensreise. Roman. 1938.
(in der 2. Aufl. unter dem Titel: Dazwischen lag das Meer. 1955 erschienen).
Grell war auch als Übersetzer tätig. Aus dem englischen erschien in deutscher Sprache das Buch von Kapitän
Fr. Marryat Die drei Kutter.

PS: Seglerisch erwähnenswert ist seine Reise mit dem 6,50 m Boot „Seejungfrau“ zusammen mit einem Mitsegler und seinem damals 12-jährigen Sohn zu den Olympischen Spielen 1952 nach Helsinki.



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