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Heidtmann-Werft Hamburg

Am 15. Juli 1855 gründete Heinrich Ludwig Heidtmann eine Bootswerft auf der Uhlenhorst in Hamburg, damals noch am Rande der Stadt gelegen. Er baute kleinere Gebrauchsfahrzeuge und spezialisierte sich auf den Bau von Ruderbooten, besonders Einer-, Zweier- und Vierergigs für die Rudervereine an der Alster. Schon damals wurden die sehr leichten und schnellen Boote auch gern vom Ausland gekauft. Mit der Übernahme der Werft durch den Sohn Heinrich Anton Heidtmann am 1. August 1876 begann auch der Bau von Segeljachten. Es waren Boote mit Lateiner-Segel mit geradem Steven und langem Klüverbaum. Die erfolgreichen Jachten Mephisto, Rabe, Schwalbe und andere gehörten zu den ersten deutschen Rennjachten überhaupt. Sie hatten am Wind etwa 64 qm und segelten mit völlig unverstagtem Mast mit bis zu 18 Mann in Luv. Als Hermann Heidtmann um die Jahrhundertwende in die Werft eintrat, wurde auch mit dem Bau von Motorbooten begonnen. Die ersten Motorboote waren Trainingsbarkassen für Hamburger Rudervereine.
1906 errang die Werft mit der für damalige Verhältnisse besonders schönen und schnellen Motorjacht Johanna VII auf dem Bodensee den Preis des Grafen Zeppelin. Um diese Zeit begann auch der Export von Motorjachten nach Süd- und Mittelamerika, Japan, Süd- und Westafrika und nach den arabischen Staaten.
Der erste Weltkrieg unterbrach diese Tätigkeit der Werft, zu deren Arbeitsgebiet inzwischen Segel- und Motorjachten, Ruderboote, schnelle Motorboote, stählerne Barkassen und Gebrauchsfahrzeuge aller Größen gehörten. Während des ersten Weltkrieges war die Werft Zulieferant für die Kaiserlichen Werften in Danzig, Kiel und Wilhelmshaven.
Nach dem Kriege wurde der Export, hauptsächlich von Motorjachten, wieder aufgenommen, die in Serien für England und Südamerika gebaut wurden. Ab 1925 wurden auch wieder Segeljachten auf Kiel gelegt.
Nach 1934 entstand auf der Heidtmann-Werft neben zahlreichen Serien flachgehender Motorboote, Jollen und Jollenkreuzer die Carin II, eine der bemerkenswertesten in Deutschland gebauten Motorjachten. Auch für die Kriegsmarine wurden fahrzeuge aller Art gebaut.
Während des zweiten Weltkrieges arbeitete die Werft durchweg mit einer Belegschaft von 250 Mann, bis sie gegen Ende des Krieges fast völlig durch Bombenangriffe zerstört wurde.
1952 war der Wiederaufbau der Werft so weit fortgeschritten, daß die ersten Segeljachten abgeliefert werden konnten, die Milos für Export und die Hochseejachten Esta und Helgoland für deutsche Rechnung. In den letzten Jahren entstanden auf der Heidtmann-Werft u. a. Serien von Hochseejachten für die USA, Motorboote für Behörden, besonders Hafenschleppboote für den Export und an kleineren Booten vor allem Serien von FDs für deutsche Rechnung und für den Export.
Der Erfolg eines der jüngsten Bauten der Werft, der Carina, hat vor der Weltöffentlichkeit bewiesen, daß die hundertjährige weltbekannte Hamburger Werft trotz der für sie besonders schweren Schäden im zweiten Weltkrieg ihre alte LeistungsfähigkeIt wieder erreicht hat und gut gerüstet in ihr zweites Jahrhundert hineingeht.



Quellen:

 

Abfrage Heidtmann in unserer „Yacht“-Datenbank: