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Werften

Max Oertz Yachtwerft, Hamburg

1895 gründete Max Oertz (geb. 1871) mit Harder zusammen die Werft Oertz & Harder auf Hamburg-Neuhof, Neuhöferdamm. Durch die Aufgabe der Dreyer-Werft konnte Oertz eine Reihe von qualifizierten Bootsbauern übernehmen, so dass er bald sehr erfolgreiche Boote und Yachten in bester handwerklicher Ausführung bauen konnte. So berühmte Yachten wie die 12 Segellängenyacht „Polly“ (1898) oder die 10 Segellängenyacht „Rhe“ für den Yachtclub gleichen Namens machten Oertz schnell in Deutschland bekannt. Als die Segellängenyachten 1907 von den R-Yachten abgelöst wurden, waren besonders die Oertz- Yachten in den R-Klassen erfolgreich.

Auch die bekanntesten Sonderklasseyachten wie die „Angela“ oder „Samoa“ für das Kaiserhaus stammen vom Reißbrett von Max Oertz. Bei solch superleichten Yachten wie den „Sonders“ traten erhebliche Probleme in Bezug auf die Dichtigkeit auf. Da das Spantwerk hinter der Außenhautbeplankung leicht ausgeführt werden musste, um Gewicht zu sparen, konnte dieses keinen ausreichenden Schubverband liefern, der ein Verschieben der einzelnen Planken verhindert hätte. Um diesem Übel abzuhelfen, hatte man in Amerika eine doppelte Außenhaut verwendet, die man als diagonal-krawel bezeichnete. Die Bauart erfüllte zwar ihren Zweck, war aber relativ teuer, schwer und erforderte besondere Konservierungen zwischen den Planken. Oertz hat dieses Problem mit sogenannten Nahtspanten gelöst, jeweils hinter der Außenhaut im Bereich der Nähte angeordnete längslaufende schmale Leisten, die sowohl die Nähte abdeckten als auch durch ihre Vernagelung einen festen Verband lieferten. Mit dieser Bauart erreichte Oertz leichte und dichte, aber auch elastische Holzrümpfe hoher Qualität.



Nahtspantenkonstruktion einer Segellängenyacht 1902

Nicht nur Holz, auch Metall als Werkstoff interessierten Oertz schon frühzeitig. So konstruierte er 1894 (damals noch in St. Petersburg als Konstrukteur tätig) für den Berliner Bankier Barthold Arons die erste Segelyacht aus Aluminium, die dann als „Luna“ in Deutschland gebaut wurde.

Ab 1902 war Oertz Alleininhaber der nunmehr unter „Max-Oertz-Yacht-Werft“ firmierenden Werft, die sich auch erfolgreich im Bau von Gebrauchbooten behauptete. Die zweifellos bedeutendsten Yachten, die Max Oertz konstruiert hat, waren die Kaiseryachten „Meteor IV“ (1909) und „Meteor V“ (1914) sowie die Krupp-Yacht „Germania“ (1908). Diese Yachten kennzeichnen auch den Höhepunkt des Yachtsegelns im kaiserlichen Deutschland. Diese Schiffe über 30 m Länge konnte Oertz nicht auf seiner Werft bauen, diese wurden vielmehr auf der Kruppschen Germania-Werft in Kiel aus Stahl gebaut.

1909 baute Oertz das erste deutsche Flugzeug mit stromlinienförmigem Rumpf, 1911 ein zweites und 1913 ein Flugboot. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges stellte die Werft ihr Programm auf den Bau von Flugzeugen um. Oertz schied 1918 aus seiner Werft aus, die von den „Hansa und Brandenburgischen Flugzeugwerken AG“ gekauft wurde. Die Oertz-Werft hat noch bis 1928 bestanden und ist dann 1929 liquidiert worden.

Zur Person Max Oertz siehe auch:

Fotos von der Werft aus unserer Bilddatenbank:

Abfrage Oertz in unserer „Yacht“-Datenbank:

Oertz-Vortrag über die Entwicklung des Yachtbaus

Nahtspantenkonstruktion

Amerikanische Diagonalkonstruktion

Schoner "Germania", 1908 nach Entwurf von Max Oertz auf der Kruppwerft "Germania" in Kiel erbaut