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1958: Kleine Dinge genau betrachtet

Im Jachthafen lockt ein Neubau, der frisch von der Werft kommt, mit spiegelndem Lack und den neuesten, blitzenden Beschlägen aus Chrom und Messing den ältesten Segler an. Gewiß, es ist eine Freude, ein noch jungfräuliches, ganz modernes Boot zu sehen, das sich seine Außenhaut noch an keinem fremden Hafenpfahl wundgescheuert hat, aber die alten, eingefahrenen „Pötte", die so manchen Strauß mit Wind und Wetter hinter sich haben und unscheinbar im Schatten des Neulings liegen, sind oft viel interessanter. Sie haben, was dem Neuen noch fehlt, den Trimm der Ausrüstung. Man sieht ihnen nicht nur die vielen Seemeilen an, die sie binnen und auf See hinter sich gebracht haben, und das viele Salzwasser, das ihre Decks gewaschen hat, sondern auch die vielen unvergeßlichen und nützlichen Erfahrungen, die der Eigner dabei gesammelt hat. Beinahe jede vom Üblichen abweichende Einrichtung des Riggs, jeder besondere oder an ungewohnter Stelle sitzende Beschlag ist der Niederschlag irgendeiner unerfreulichen Erfahrung.

1. Dieser gut dimensionierte Jachtfender mit Korkfüllung, hinter dem sich jede gepflegte Bordwand wohlfühlen wird, hat einen zusätzlichen Segeltuchüberzug, Wenn der Fender an einer rostigen Spundwand geschamfielt hat, kann man den Überzug abnehmen- und waschen. Der Fender selbst wäre in einem solchen Fall schwer oder überhaupt nicht zu reinigen.

2. Moderne amerikanische Fender. Das sehr leichte, weiße Kunststoff-Rohr federt, ohne sich vollständig zusammendrücken zu lassen.

3. Der so sperrig aussehende Danforth-Anker nimmt,wenn er an der richtigen Stelle an Deck gut gehaltert wird, weniger Platz ein als ein Stockanker oder ein Patent-Anker, weil er sehr flach ist und kleiner sein kann, als die anderen Modelle. Die neueren Danforth-Anker haben übrigens an den Enden der Querstange kleine Kugeln.

4. Ein moderner englischer Pflugschar-Anker. Diese Ankerform gilt als noch wirksamer als die der Danforth-Anker. Ihr Nachteil ist aber, daß sie sperriger und an Deck eines kleinen Seebootes schlechter unterzubringen ist.

5. Kojensegel auf der „Senta". Wenn die Koje nicht benutzt wird, liegt das Kojensegel glatt unter dem Polster, bei Gebrauch wird es mit zwei Gurten gespannt, die an der Kajütdecke eingehakt werden. Kojensegel sind besonders auch für die Sofakojen in der Kajüte kleiner Seekreuzer zu empfehlen. Oft wird man sie unterwegs bei Seegang einhaken, auch wenn die Koje nicht gerade zum Schlafen benutzt wird, weil man dann hinter den Kojensegeln rasch irgendwelche Dinge wegstauen kann, die sonst wild in der Kajüte umherfliegen würden.

 

6. Amerikanischer Entlüfter aus Plexiglas im Vorluk eines kleinen Seekreuzers. Das obere Foto zeigt die Ansicht von oben, das andere die Unterseite des Luks mit dem Lüfter, der gleichzeitig als Skylight dient. Auch bei starkem Seegang kann zwar die Luft durch den Lüfter durchstreichen, Wasser kann aber nicht ins Boot eindringen, weil es wie beim Dorade-Lüfter angehalten wird und nach außen abfließen kann.

7. Auf diesem 20er-Jollenkreuzer laufen Groß- und Fockfall innen im Mast. Die Klampen sitzen an der Stirnwand des Kajütaufbaues. Ein alter Fahrtensegler würde die Fallen an der hinteren Seite des Mastes heraustreten lassen und die Klampen so auf dem Kajütdeck anbringen lassen, daß er die Fallen von der Plicht aus holen, belegen und loswerfen kann.

8. Der erfahrene Seesegler hat auf seinem Boot irgendeine Einrichtung, um das Ruder in einer beliebigen Stellung festsetzen zu können. Am häufigsten sieht man eine Metallschiene mit Ausschnitten, in die eine kleine, unter der Ruderpinne sitzende Metallplatte eingehakt wird. Auf diesem kleinen Spitzgatt-Seekreuzer sitzt der Zahnkranz auf einem Brett, das auf dem Luk befestigt wurde.

9. Auf diesem kleinen Seekreuzer ist die Feststelleinrichtung für die Pinne zwar wesentlich höher, aber dafür auch zum Umklappen eingerichtet.

10. Im Zeitalter der Kunststoffblöcke und der Curry-Klemmen wird auf richtigen Seekreuzern immer noch der ein paar hundert Jahre alte Großschotblock mit daran befestigter Belegklampe verwandt, wenn die Ausführung heute natürlich auch etwas eleganter und „jachtmäßiger" ist als auf den klobigen Küstenfahrern vergangener Zeiten. Die Klampe am Großschotblock ist unterwegs nicht nur praktischer, weil man die Großschot schneller belegen und loswerfen kann und weil die holende Part der Schot nicht stört, es ist bei Vorhandensein einer Leitwagenschiene auch für die Form des Segels meistens günstiger, wenn holende Part und feste Part der Schot kein Dreieck bilden.

11. Auf diesem Seekreuzer kann man mit der herunterklappbaren Gabel, die mit Leder gepolstert ist, die Pinne nur genau mittschiffs festsetzen. Um sie auch in anderer Stellung feststellen zu können, müßte man statt der ledergepolsterten Gabel einen Zahnkranz und an der Pinne unten einen entsprechenden Widerstand anbringen.

12. Die Lösung des Problems auf einem Walboot: Das Brett mit dem Zahnkranz ist mit Flügelschrauben befestigt. Es kann, wenn es nicht gebraucht wird und stören würde, nach unten geschoben oder auch rasch ganz losgemacht werden.

13. Der Eigner dieses Seebootes hatte es endlich satt, daß die dicken Festmacheleinen nicht in die Lippklampen hineinpassen oder daß die dünne Spring aus Stahldraht aus der Lippklampe herausspringt. Er ließ sich große solide Lippklampen aufs Achterdeck setzen, in die auch dicke Trossen hineinpassen. Ein Schraubbolzen sorgt dafür, daß weder der Stacheldraht noch die dicke Festmacheleine herausspringen kann. Diese Lippklampe wird nicht so leicht ausreißen, wenn sehr starker Druck auf die Leine kommt. Schön sieht diese Einrichtung zwar nicht aus, aber der Eigner wird oft froh gewesen sein, daß er sie hatte.

14. Dieser Eigner hat bestimmt schon seinen Ärger mit eingesetzten Lukenschlössern gehabt. Entweder sind die eingebauten Schlösser zu leicht, in der Konstruktion schlecht oder der Schlüssel bricht ab oder wird verlegt, und man muß dann das Luk aufbrechen. Auch die einfache Lösung des Problems, ein Bügel über das Luk und ein Vorhängeschloß, kann, wenn man den Bügel und das Schloß aus Bronze wählt, gut aussehen. Zur Not kann man mit Bordmitteln das Luk öffnen, ohne das Holz zu beschädigen, indem man das Schloß abkneift oder durchsägt.