1963: Kajüten

Größe, Form und Ausstattung werden bestimmt durch die Wünsche und Erfahrungen des Eigners, durch die Erfahrungen und Einfälle des Konstrukteurs und des Bootsbauers und sind abhängig von Länge, Breite und Höhe und der Form des Rumpfes und der Aufbauten und vom Baumaterial. Eine Kajüte ist daher immer ein mehr oder weniger gut gelungener Kompromiß aus den verschiedenen Gegebenheiten. In einem schnellen, schlanken Boot mit einem nur kleinen Kajütaufbau (5A) ist nur eine Kajüte mit zwei gegenüberliegenden Polsterbänken möglich, auf denen man kaum Sitzhöhe hat, die aber zum Schlafen benutzt werden können. Macht man den Rumpf etwas höher und tiefer und verlängert man den Kajütaufbau vor den Mast (5B), dann ergibt sich auf einem gleichlangen Boot in der Kajüte Sitzhöhe, vorn ein weiterer Schlafplatz und eine lange, geräumige Kajüte. Erhöht man nun auch noch hinten den Kajütaufbau zu einer Art Deckshaus (2B), gibt dem so entstandenen weiteren Raum einen höheren Fußboden, dann können sich dadurch zwei weitere feste Schlafplätze von ausreichender Länge und Breite ergeben, aber man muß in Kauf nehmen, daß die Kajüte kürzer wird. Daher wird oft auf den in Höhe des Plichtbodens gelegten höheren Fußboden des Deckshauses verzichtet. Es ergibt sich dann eine sehr große Kajüte (6), in der man im hinteren Teil unter dem erhöhten Kajütaufbau auch auf kleineren Booten volle Stehhöhe hat, was im besonderen, höher gelegenen Deckshaus nicht zu erreichen wäre. Die Zahl der Schlafplätze wird bei der großen durchgehenden Kajüte geringer, weil sie wieder nicht so lang sein kann, daß an jeder Seite zwei ausreichend lange Schlafplätze hintereinander angeordnet werden können. Es sei denn, es handele sich um ein ausgesprochen breites Boot wie auf Bild 6, wo hinter den Längssofas und höher (weil das Boot an dieser Stelle breiter ist) je eine Koje eingebaut ist. Die Längssofas, die durch Herausziehen verbreitert werden können, bieten zwei weitere Schlafplätze in der Kajüte. Die geräumigste Kajüte ergibt sich auf einem gleichlangen Boot, dessen Rumpf noch höher ist und dessen Ecken abbgestumpft sind (2C). Man hat die schlanken, räumlich nicht auszunutzenden Enden (die "überhänge") einfach abgeschnitten und ein kurzes, aber volles Vorschiff und ein breites und in einem großen Spiegel, dem "Plattgatt" endendes Achterschiff bekommen.

Wird der Kajütaufbau weit und hoch genug vor den Mast aufs Vorschiff vorgezogen, dann ergibt sich ein kleiner Schlafraum mit zwei festen Kojen an den Seiten mit Stehhöhe in der Mitte.
In einen solchen Schlafraum sieht man auf den Bildern 3 und 6 durch die geöffnete Tür hinein. Reicht die Länge des Bootes aus, dann läßt sich zwischen Vorschiff-Schlafraum und Hauptkajüte noch auf der einen Seite ein kleiner Waschraum mit WC, auf der anderen ein hoher Schrank unterbringen. Wünscht man dagegen unter dem erhöhten hinteren Kajütaufbau ein kleines höher gelegenes Deckshaus, dann reicht die Länge nicht aus, um an einer Seite eine Koje im Vorschiff, einen Waschraum und eine Koje in der Kajüte unterzubringen. Man kann entweder auf das WC zwischen Vorschiff und Kajüte verzichten und es zum Beispiel im vorderen Schlafraum zwischen den beiden festen Kojen einbauen, oder man muß die Kajüte verkürzen und hat dann noch die Möglichkeit, die Koje halb unter das Deckshaus laufen zu lassen, erhält dann aber ein Kajütsofa mit weniger Sitzplätzen. Außerdem muß man noch die Kombüsenecke unterbringen, wofür man die Seite wählen kann, die der unter das Deckshaus reichenden Koje gegenüberliegt, hat dann aber in der Kajüte nur einen Schlafplatz und insgesamt an Bord mit den zwei Kojen im Vorschiff drei. Eine Ausweichmöglichkeit besteht, besonders bei einem Plattgatt-Seekreuzer (2C) und auch bei einem Jollenkreuzer darin, daß man den Sitzraum, die Plicht, entweder kurz macht oder ganz nach hinten rückt oder beides. Dadurch kann dann die Kajüte länger werden.

Die Zeichnung 1 verdeutlicht, daß die Länge der Kajüte und die Zahl der Kojen, die durch schraffierte Flächen angedeutet sind, auf einem Boot in der üblichen Form von der Länge des Bootes abhängig sind. Rechnet man für eine Koje eine Länge von 1,80 m, dann ergibt sich für drei Kojen an einer Bordseite (lA) eine Länge von 5,40m ohne Querwände, dazu 0,80 m für das WC oder den Schrank macht 6,20m, dazu noch je 0,80 cm für den notwendigen Raum für Bug und Heck ergeben bereits eine Gesamtlänge des Bootes von 7,80 m. Um eine Einrichtung wie bei 1A unterbringen zu können, braucht man eine Bootslänge von etwa 9 m. Gewöhnlich sind Boote mit ähnlicher Aufteilung 10 bis 11 m lang. Wünscht man auf einem etwa 5,40 bis 5,80 m langen KleinstSeekreuzer eine Kajüte mit ausreichender Höhe und vier Schlafplätzen, dann kommt man zwangsläufig zu Lösungen, wie sie die Bilder 7, 8 und 9 zeigen. Der Kajütaufbau ist ganz weit nach vorn geführt, und der Kajütraum erstreckt sich bis ins Vorschiff hinein. Der Mast ist auf das Kajütdach gestellt. Er wird abgestützt durch zwei Rohrstützen, die einen Durchgang freilassen. Dadurch lassen sich im vorderen Teil der Kajüte zwei Sofakojen unterbringen. Die anderen beiden Kojen reichen, wie Bild 8 erkennen läßt, halb unter die seitlichen Plicht sitze. Gekocht wird auf einer Tischplatte, die über diese Koje gelegt wird (8) oder wie auf dem ähnlichen Boot von Bild 9 auf einem über dem Fußende der vorderen rechten Koje angebrachten Tisch, der noch durch eine herausziehbare Platte mit Stütze vergrößert werden kann. Auf dem Boot von Bild 7 hat man zwischen den beiden vorderen Kojen noch in einem verschließbaren Kasten ein Trockenklosett untergebracht.

Besondere Schwierigkeiten ergeben sich bei Schwertbooten, Jollenkreuzern und Kielschwertkreuzern, wenn der Schwertkasten in die Kajüte hineinragt. Vor und hinter dem Schwertkasten und an den Seiten muß noch genügend freier Raum bleiben, damit man sich in der Kajüte bewegen kann. Es ergibt sich, daß der Schwertkasten zum Anbringen runterklappbarer Tischplatten benutzt wird, und daß zum Schlafen benutzbare Sofabänke an den Seiten eingebaut werden (4, 6).
Form und Ausstattung der Kajüte ist von so vielen Umständen abhängig, daß es keine ideale Form dafür gibt. Man kann höchstens feststellen, daß zwischen den gestellten Forderungen und den Voraussetzungen, die Bootsform und Bootsgröße bieten, ein besonders glücklicher Kompromiß gefunden wurde. Die Aufgabe, auf einem wenig mehr als 5 m langen Boot vier feste Schlafplätze unterzubringen, ist auf dem Boot der Bilder 7, 8 und 9 zwar gelöst, aber man stelle sich einmal vor, wie es in dieser Kajüte zugeht, wenn vier Mann auf den Sofas ihre Kojen zum Schlafen zurechtmachen. Die Bilder 3, 4 und 5 zeigen die Kajüte eines 11 m langen Kielschwertkreuzers wie sie auf Seekreuzern zwischen 9 bis 11 m Länge üblich ist. Vorn als Schlafraum abgeteiltes Vorschiff, dahinter Waschraum und WC, anschließend die Kajüte mit der Kombüse am Ende, die von dem übrigen Raum durch halbhohe Querwände (5) abgeteilt und zugedeckt wird. Ähnlich ist die Einrichtung des 9,95 m langen Kielschwertkreuzers von Bild 6.