1963: Bootspersenninge, Zeltkajüten

Bootspersenninge gehören zu den "Extras" und werden gewöhnlich von den Werften bei segelfertig ausgerüsteten Booten nicht mitgeliefert. Man muß sie sich vom Segelmacher oder vom Sattler anfertigen lassen oder sie auch selbst machen. Für Jollen, die ständig im Wasser liegen und für Kajütboote mit offener (nicht wasserdichter selbstlenzender) Plicht wie Jollenkreuzer Volksboote und Drachen braucht man eine Persenning zum Zudecken der Plicht, damit es nicht hinein regnen kann. Für diesen Zweck genügt eine viereckige Persenning, die über den Großbaum gelegt und unten festgebändselt wird (5).

Um die Boote außerdem vor der Sonne zu schützen, damit das Überwasserschiff nicht zu sehr austrocknet, wenn sie tagelang stilliegen, und zu verhindern, daß Staub und Schmutz auf das Boot geweht werden, wenn sie einen Liegeplatz dicht am Hafenbollwerk haben, werden vor allem Jollen mit einer "Persenning über Alles" (6) zugedeckt, die man noch über die Bordwand herabhängen läßt. Wenn eine Bordwand des Überwasserschiffes eines geplankten Vollholzbootes im Hochsommer tagelang einer starken Sonnenbestrahlung ausgesetzt ist, besteht die Gefahr, daß das Holz zu stark austrocknet und sich die Plankennähte öffnen. Es ist daher keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, wenn - wie man es gelegentlich sieht über die der Sonne zugekehrte Bordwand einer an einer Brücke liegenden Vollholzyacht eine lange Persenning gehängt wird.

Die über das ganze Boot reichenden Bootspersenninge müssen vorn und hinten so weit offen bleiben, daß frische Luft hindurchstreichen kann, und dürfen nicht wie die Persenning über alles auf Bild 6 vollkommen dichtgemacht sein. Die an Bord stets feuchte Luft wird, wenn keine Lüftung erfolgt, muffig und ist, wenn die auf das Persenning aufprallende Hochsommer-Sonne sie erwärmt, das beste Klima für Rotten und Spaken.

Fahrtensegler geben der Plichtpersenning eine Form, die es erlaubt, in einem offenen Boot darunter unbehindert zu sitzen (1, 2, 5) oder die Plicht eines Kajütbootes im Hafen bei Regen und Hitze und Wind als Aufenthaltsraum zu benutzen. Als Sonnenschutz genügt ein Sonnensegel aus Segeltuch mit ein paar eingenähten oder eingesteckten Querlatten, das über den Großbaum gelegt und festgebunden wird (473). Um die Plicht auf kleinen Fahrtenbooten mit enger Kajüte an Hafentagen als Wohnraum benutzen zu können, braucht man eine geschlossene Zeltkajüte aus wasserdichtem Material, die nach vorn bis vor das Kajütluk reicht, damit es mit überdacht wird. Oft reicht die Zeltkajüte über den ganzen Kajütaufbau, was den Vorteil hat, daß es bei starker Sonne in der Kajüte nicht so heiß wird und daß man auf dem Kajütdach mancherlei regengeschützt ablegen kann. Seitliche Stützen sind nur erforderlich, wenn der Großbaum wie auf dem Zugvogel (1, 2) nicht als Längsträger benutzt wird. In Laschen einsteckbare Querlatten sind praktischer als in durchgehenden Taschen eingesteckte, weil die einzelnen Latten und das zusammengelegte Persenning sich auf einem kleinen Boot leichter verstauen lassen als die ganze mit Latten zusammengerollte Persenning. Zweckmäßiger ist immer eine Zeltkajüte mit abknöpfbaren Seitenteilen (5, 8), weil sie leichter aufzubauen und zusammenzulegen ist und weil oft ein seitlicher Wind-, Regen- und Sichtschutz an einer Seite genügt. Nicht fehlen darf ein Abschluß nach hinten, besonders, wenn die Plicht als behelfsmäßiger Schlafraum benutzt wird. Schwierig ist es, eine Zeltkajüte auf Kajütbooten vorn winddicht zu bekommen. Völlig winddicht ist die Zugvogel-Zeltkajüte (1) und die den ganzen Kajütaufbau einbeziehende Zeltkajüte auf Bild 10. Die Persenninge auf den Bildern 8 und 9 sind zwar vorn regendicht, aber nicht völlig winddicht. An den Seiten läßt sich die Zeltkajüte leichter winddicht abschließen, weil hier immer ein Waschbord vorhanden ist. Man kann sie daran mit Druckknöpfen, mit einfachen, einzuschraubenden Persenningknöpfen oder mit Persenningknöpfen mit Fuß platte zum Anschrauben befestigen. Die nicht besonders dauerhaften Druckknöpfe werden auf Seebooten selten, die vorstehenden Knöpfe oft ungern verwendet, weil sie am Waschbord stören und leicht etwas dahinterhakt. Man benutzt hier daher Bändsel oder neuerdings auch Gummistrippen. Als Material für Persenninge werden statt des wasserdichten Persenningstoffes immer mehr mit Kunststoff beschichtete, wasserdichte Gewebe verwendet, die eine wesentlich längere Lebensdauer haben.

 

1. Zeltkajüte auf einem Zugvogel. Material: blaues Duraskin, ein unbedingt wasserdichtes, lehniges, mit Kunststoff beschichtetes Gewebe. Die Seitenteile sind abknöpfbar. Das Oberteil ist so geschnitten, daß man die Plicht damit wasserdicht abschließen kann, wenn das Boot an seinem Liegeplatz im Wasser liegt und die Zeltkajüte nicht gebraucht wird.

 

2. Blick in die Zeltkajüte des Zugvogels von vorn. Das Vorderstück ist zurückgeklappt. Als seitliche Stützen, die erforderlich sind, weil der Großbaum nicht als Längsträger benutzt wird, sind T-Schienen aus Leichtmetall benutzt. Zum Einstecken solcher Persenningstützen gibt es handelsübliche Halterungen aus Messing zum Aufschrauben. Die Zeltkajüte des Zugvogels, in dem vier Erwachsene zum Schlafen Platz finden, hat von Oberkante Fußboden ab eine Höhe von 1,20 m.

 

3 + 4. In einem Stück gearbeitete "Persenning über Alles" auf einem Piratenboot. Die Persenning wird auf Steuerbord neben dem Mast zugebunden. Auf dieser Seite läßt sie sich halb zurückschlagen.

5. Kajüt-Kielboote mit offener Plicht brauchen eine Plichtpersenning, damit es nicht ins Boot hineinregnen kann. Sie reicht oft über den ganzen Kajütaufbau.