"R 385" - 20 qm Jollenkreuzer

Text und Fotos: Christoph Laska

R385 Frontansicht, aufgenommen im Sommerurlaub 2000 auf der Müritz mit 200 mm Objektiv

 

R 385 - eine kurze Vorstellung:

- 20-qm Jollenkreuzer
- 1964 in Berlin gebaut
- 7,75 m lang
- 2,56 m breit
- 0,30 m Tiefgang ohne Schwert
- 1,10 m Tiefgang mit Schwert
- Mahagoni als Bootsbaumaterial

Besonderheiten:

- Wachstuch als Kajütdachbespannung
- Rollreff um den Großbaum
- kein Schwertbolzen, sondern Drehgehänge im Schwertkasten, dadurch keine potentielle Schadstelle


Geschichte des Bootes:

R 385 wurde im Jahr 1964 in Berlin, einer Hochburg des Jollenkreuzerbaus, in der Werft Fehdeck im Stadtteil Schmöckwitz (heute Berlin-Köpenick)gebaut. Da der erste Eigner Wert auf Komfort und Platz legte, wurde ein Entwurf vom Konstrukteur Kessler umgesetzt. Deshalb ist der Jollenkreuzer breiter und fülliger gebaut als vergleichbare Boote. Außerdem wurde das Boot komplett ausgebaut, es gibt zwei recht geräumige Schränke, eine fest eingebaute Kochgelegenheit und zwei breite Kojen. Bei Nachforschungen zur Geschichte des Bootes habe ich dann erfahren, dass die Werft ein Familienbetrieb war und schon in den 80er Jahren (20.Jh.) den Betrieb eingestellt hat.

Nach der Fertigstellung nutzte der erste Eigner den Jolli auf den Berliner Gewässern und hatte das Boot vermutlich bei den Tourenseglern in Köpenik am Steg zu liegen. Nach einigen Jahren verkaufte er das Boot aus mir unbekannten Gründen an den zweiten Eigner. So gelangte das Boot auch zum Werbellinsee. Dritter Eigner wurde dann G. Grafe vom Segelverein Stahl Finow (SVSF), meinem Heimatverein. R 385 war mehr als zwanzig Jahre in Besitz von Herrn Grafe, der damit viel dem Werbellinsee segelte, regelmäßig auf Wasserwege in den Urlaub fuhr und das Boot in den Wintersaisons bestens pflegte.

Im Jahr 1999 entschied sich Herr Grafe aus Altersgründen für den Verkauf des Bootes. Nach einigen gemeinsamen Segelstunden und Besichtigungen im Winterlager stand meine Kaufentscheidung fest. Zu Beginn der Segelsaison 2000 kaufte ich dann das Boot komplett, wie man so schön sagt „mit Pött und Pann“. So ist das Boot auf dem gleichen Revier geblieben und sogar im gleichen Verein. Ich konnte sowohl den Sommerliegeplatz im Vereinshafen und als auch den Winterliegeplatz in einer alten Fabrikhalle übernehmen.

Restaurierung:

R385 im Winterlager 2001/2002 in der Drehvorrichtung. Diese Drehvorrichtung erleichtert sämtliche Arbeiten am Unterwasserschiff erheblich.

Bei den Überholungsarbeiten in den Winterhalbjahren 2000/2001 und 2001/2002 ging es hauptsächlich darum, die nicht mehr intakten Lackschichten und die Unterwasseranstriche komplett zu entfernen und zu erneuern. Teilweise ließen sich die spröden Lackschichten nur mit Hand vom Holz lösen. Nach Entfernen der gesamten Anstriche auf dem Unterwasserschiff offenbarten sich einige kleinere Schadstellen. Die schlimmste befand sich am Kiel. Der Kiel ist durch zwei geschäftete Eichenhölzer zusammengesetzt. Im Laufe der Jahre löste sich die Verleimung und Wasser drang in die Schäftung ein. Das Holz zeigte hier deutliche Zersetzungserscheinungen. Besonders kritisch war dabei, dass genau in Höhe der Schäftung der Mastfuß, auf den dort durch ein Kielschwein verstärkten Kiel, aufsetzt. Die Kielschäftung an dieser Stelle ist eindeutig als Fehlkonstruktion anzusehen. Durch die einwirkenden Kräfte war die Schäftung etwa zu einem Viertel offen. Das faule Holz wurde gründlichst entfernt, die Schäftung gesäubert. Anschließend wurde mit einer langen Kanüle Epoxydharz eingedrückt und zum Abschluss ordentlich verspachtelt. Bisher erweist sich diese Reparatur als stabil.

Im Bugbereich fand sich ein weiterer Schaden. Am Steven, direkt am Übergang zum Kielholz faulte das Holz stark. Über die Hirnflächen des Holzes war Wasser eingedrungen. Dieser Schaden trat auf beiden Seiten des Rumpfes auf. Das schadhafte Holz wurde entfernt und die Fehlstellen mit Epoxydharz gespachtelt. Ich hoffe, dass der Schaden sich nicht vergrößert, anderenfalls ist ein Austausch des Stevens notwendig.
In diesem Winter ist insbesondere die Überholung der vielen Kleinteile und des Cockpits geplant.

R385 in der Sietower Bucht, Müritz, Sommerurlaub 2000

Von Beginn an habe ich das Boot zusammen mit meiner Freundin aktiv genutzt, die Revierregatten werden mitgesegelt, die Sommerwochenenden werden zumeist an Bord verbracht und auch Urlaubsreisen zur Müritz haben wir schon unternommen. Diese Bootsklasse ist für die Binnengewässer in Brandenburg und Berlin ideal geeignet, insbesondere der variable Tiefgang ist sehr vorteilhaft zum Erreichen flacher Ankerbuchten, die anderen Booten nicht zugänglich sind.

Ich möchte an dieser Stelle ganz herzlich meiner Freundin danken, die nicht nur Verständnis für die notwendige Arbeit zeigt, sondern kräftig mit anpackt und natürlich auch mitsegelt. Ohne sie wäre die Arbeit im Winterlager deutlich beschwerlicher, zusammen fällt es einfach leichter. Vielen Dank Aileen!

Wenn jemand mehr über die ersten Jahre dieses Bootes weiß, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.