Sammlerglück und Clubjahrbücher

Vorgestellt von Volker Christmann



Ein wunderbares, aber anstrengendes Wochenende eines Sammlers: Am Samstag von Wiesbaden nach Norddeutschland, am Sonntag ein 3m langes Skalenmodell abgeholt und vor allem eine Segelbuchsammlung, am Sonntagabend gegen 22:00 h mit „fetter“ Beute wieder zu Hause.

Kernstück der Buchsammlung waren etwa 300 frühe Club-Jahrbücher. Um die Jahrhundertwende war es Usus und gehörte zum Pflichtprogramm eines jeden renommierten Clubs, dass jährlich ein gebundenes Buch mit einem Bericht über das abgelaufene Jahr herausgegeben wurde. Die ganz einfachen Bücher hatten als Inhalt lediglich ein Mitgliederverzeichnis und eine Bootsliste und eventuell noch den Vorstand namentlich aufgeführt. Die umfangreicheren hatten daneben die damals übliche Eignerflagge abgebildet, einige Fahrtenberichte und sämtliche Regattaergebnisse der abgelaufenen Saison. Solch aufwendig hergestellte Büchlein sind die vielen bekannten
Jahrbücher des Kieler Yacht Clubs. Diese wurden offensichtlich in großer Auflage gedruckt, denn es sind heute die am häufigsten auftauchenden. Ausnahme die ganz frühen Ausgaben, die werden dann schon mal für rund 250,- Euro über den Ladentisch gereicht. Im Kieler Yacht Club erschienen die Jahrbücher 1889 bis 1891 noch unter dem alten Namen Marine-Regatta-Verein, ab 1892 bis 1927 unter dem Titel Jahrbuch des Kaiserlichen Yacht-Clubs. Wegen der wirtschaftlich schwierigen Zeit sind beim KYC 1923 und 1924 keine Jahrbücher erschienen.
Zu damaliger Zeit haben fast alle Vereine solche Jahrbücher herausgegeben. Bei wenigen, wie etwa dem Nord-deutschen Regattaverein, als Paperback, meist aber Leinen gebunden.
Die Auflage, wie erwähnt, recht klein. Somit sind diese Büchlein nach zwei Weltkriegen sehr schwer zu finden. Ich denke, hier werde ich bis ans Lebens-ende nicht komplett sein.
Aber schon die oft äußerst geschmackvolle Aufmachung begeistert. So hatte der Segler-Club Tegel-See z.B. auf dem Umschlag groß seinen Stander, in silbernen Buchstaben seinen Namen und mitten drin eine ovale Vertiefung mit dem Foto eines Segelbootes. Eine sehr schöne Einbandgestaltung hatte z.B. auch der Segel-Club „Ahoi“: dunkel-blau mit Einprägungen und in goldenen Lettern den Namen. Und inhaltlich ebenfalls gut gestaltet und amüsant zu lesen. So steht im Jahrbuch 1895, dass im abgelaufenen Geschäftsjahr 32 Versammlungen stattfanden, das Gesamtvermögen 1271,15 Mark beträgt, eine eigene Bibliothek angelegt wurde. Neben den Regattaberichten wurden auch die Festlichkeiten aufgezählt. So gab es einen Damenabend bei Schult-heiss, Maskenball, Herren-Segelfahrt, Segelfahrt mit Damen und Kostümfest. Ein Reisebericht von Herrn Fricke, der mit seiner rund 10 m langen „Paula“ nach Malmö und Kopenhagen gesegelt ist und dabei des öfteren der „Britannia“, der Yacht des englischen Königs, begegnete. Die gaffelgetakelte „Paula“ ist abgebildet.
Der Brauch, ein Jahrbuch zu drucken, war natürlich nicht auf Norddeutschland oder die Berliner Clubs beschränkt. Im Binnenland gab es beispielsweise sehr schöne Büchlein vom Rheinischen Seglerverband in
Walluf. Oder toll aufgemacht die des Bayerischen Yacht-Clubs. Darin sind u.a. die Haus- und Rennflaggen abgebildet, ein oft wichtiger Hinweis, um auf alten Gemälden die Schiffe zu identifizieren. Einen großen Raum nehmen z.B. im Jahrbuch 1899 des Segler-Vereins Würmsee (heute Bayerischer Y.C.) die Yachtgebräuche ein. Die Regattasegler hätten ihre Freude bei der Lektüre der Instruktion für die Vermesser (damals bereits z.B. das Problem bei Wulstkielyachten) und - sehr aufschlussreich - einer Zeitvergütungstabelle.

Es können hier nicht alle Vereine genannt werden, ich denke alleine bei mir stehen mehr als 200 verschiedene Clubs. Und dem Brauch, nicht auf Deutschland beschränkt, gab es weltweit in allen namhaften Clubs. So z.B. die mit Goldschnitt versehenen Jahresbände des in Glasgow beheimateten Royal Northern Yacht Club, in royalblau mit Goldschrift bedruckt. Aufwendig und reich bebildert waren auch die Arsbok’s der Kongl. Svenska Segel-Sällskapets.

Heute erscheinen nur noch bei wenigen Clubs jährliche Jahrbücher. Die akademischen Segelvereine etwa geben noch Jahrbücher heraus, die das Geschehene des vergangenen Jahres festhalten. In ihrer Aufmachung meist preiswert geheftet, können sie dem Vergleich mit den alten Schriften nicht stand halten. Anders beim New York Yacht Club, dort erscheinen die Jahrbücher heute wie damals in der gleichen Leineneinbanddecke – das ist Kontinuität.
Ganz toll finde ich die Matrikel der schwedischen Motor Yacht Society, die in den letzten Jahren jährlich gedruckt werden. Die sind äußerlich zwar nur Paperbacks, aber der Inhalt ist traumhaft. Dort werden alle noch vorhandenen Oldtimer Motorboote mit Bild und Beschreibung vorgestellt. Vielleicht eine Idee für den Freundeskreis.