Hals-Beschläge

Der Ausdruck "Hals-Beschläge" ist für den Anfänger unverständlich. Der "Hals" ist die Ecke des Großsegels, die sich unten zwischen Mast und Großbaum befindet. Gewöhnlich werden die Beschläge, die den Segelhals am Großbaum und den Großbaum am Mast befestigen, als Großbaum-Beschläge bezeichnet, was aber recht ungenau ist, weil zu den Großbaum- Beschlägen auch alle anderen am Großbaum befindlichen Beschläge wie "Nockbeschläge" am äußeren Ende, Beschläge für die Großschot, Reff- und Streckerbeschläge gehören.
Der Halsbeschlag hat die Aufgaben, den Großbaum sicher am Mast zu befestigen und eine gute und zweckmäßige Befestigung des Großsegelhalses am Großbaum zu ermöglichen. Der Beschlag muß möglichst nach allen Seiten drehbar sein, damit sich der Großbaum der Stellung des Segels anpassen und durch entsprechende Drehung dem Segeldruck nachgeben kann. Erwähnt sei, daß das Finn-Dinghy keinen Halsbeschlag benötigt, weil der Großbaum in den Mast eingesteckt und mit ihm drehbar ist. Beim Piratenboot ist der Halsbeschlag laut Klassenvorschrift eine am Großbaum befestigte Gabel, die durch ihre Form und Größe genug Spielraum nach allen Seiten gibt. Bei kleinen Einheitsjollen wird ebenso wie bei vielen Seekreuzern der Halsbeschlag vielfach fest am Mast angebracht. Rennjollen und -yachten und Hochseerennyachten benutzen gewöhnlich am Mast bewegliche Halsbeschläge, die entweder mit einem Schlitten auf (1, 3, 6, 10, 11, 13) oder in (2, 4) einer Stahlschiene oder auf einem soliden Stahlrohr (7, 9) laufen. Der bewegliche Halsbeschlag ist von den Rennseglern eingeführt worden. Seine Vorteile sind auch für den Wandersegler binnen und auf See nützlich. Mit Hilfe des am Schlitten und an Deck oder am Mastfuß befestigten Halsstrekkers gewöhnlich eine Talje mit zwei oder auch drei Scheiben läßt sich das Vorliek des Großsegels nachstrecken, wenn es am Masttopp "zu blocks ist" (stramm anliegt). Das Segel strammt und reckt sich, wenn es naß und wieder trocken wird, was sich durch den Halsstrecker jederzeit rasch ausgleichen läßt. Neben den Trimm-Möglichkeiten erlaubt ein beweglicher Halsbeschlag auch, den Großbaum höher zu setzen, wenn das Großsegel gerefft wird oder ein Segel mit kürzerem Vorliek gefahren wird. Wichtig für den Wandersegler ist auch, daß ein beweglicher Halsbeschlag erlaubt, den Großbaum im Hafen so hoch zu setzen, daß man im Sitzraum (der Plicht) unter der über den Baum gelegten Persenning Sitz- oder Stehhöhe hat. Für Fahrtenboote sind Schlitten auf einem Stahlrohr sicherer als Schlitten auf einer Schiene, Schlitten auf einer T-Schiene besser als die in einer Schiene gleitenden.
Für den Stand der meisten Großsegel wichtig und ein kleines Problem ist es, den Großsegelhals an dem Beschlag so zu befestigen, daß der Segelhals ganz dicht am Mast und am Großbaum anliegt, nicht absteht und keine Falten wirft wie etwa auf Bild 3. Bei kleinen und leichten Jollensegeln (5, 8, 9, 10), Booten mit Bindereff (11, 12) und Rennbooten ohne Reff (1, 2, 4) ist das verhältnismäßig leicht zu lösen. Schwieriger wird es bei Seekreuzern mit steiferen und dickeren Segeln und Lieken, und, wenn das Boot mit einem Patent reff (Rollreff) ausgerüstet ist. Der Hals muß, da das Segel sich ja auf dem Baum aufrollt, am Großbaum befestigt werden und hat dadurch zwangsläufig einen gewissen Abstand vom Mast. Auf dem Seekreuzer von Bild 7 wurde das Problem dadurch gelöst, daß ein kleiner Schuh für die Halskausch nach vorn vorsteht und die Schiene für die Großsegelschlitten an den Befestigungspunkt herangeführt ist. Bei dem Halsbeschlag von Bild 1 wird die Halskausch am Schlitten befestigt. Auch hier ist der Schuh für die Kausch so weit nach vorn geführt, daß das Segel unmittelbar am Mast anliegen kann.

 

1. und 2. Leichte Halsbeschläge mit Schlitten und Mastschiene und Halsstreckertalje auf Rennkielyachten.

3. Rennjollen-Halsbeschlag mit Schlitten und Schiene. Der Großsegelhals sitzt noch nicht richtig.

4. Leichter Halsbeschlag eines Drachenbootes mit inder Mastschiene gleitendem Schlitten. Der Beschlag ist so konstruiert, daß der Großbaum nach allen Seiten beweglich ist, und daß Gewicht gespart wird. (Der am Großbaum angebrachte Teil des Beschlages ist deshalb ausgebohrt.) Der Schuh für die Halskausch sitzt so, daß das Segel ganz dicht am Mast und am Großbaum anliegt.

 

5. Fest am Mast angebrachter Halsbeschlag einer Olympiajolle 36. Der Beschlag ist zugleich ein Federreffer. Das Segel wird durch einfaches Umdrehen des Baumes gerefft. Zum Ausreffen wird bei den auf kleinen Jollen vielfach verwendeten Federreffern der Großbaum etwas zurückgezogen, wodurch die Sperre gelöst wird.

6. Halsbeschlag auf einem amerikanischen Seekreuzer. Damit der Segelhals am Großbaum gut anliegt, ist der Baum hier wie bei 2, 3, 6, 8, 13 verjüngt. Der Schlitten gleitet auf einer Schiene, in deren Mitte die Schiene für die Vorliekschlitten ganz bis zum Ende der Schiene für den Halsbeschlag läuft. Der Hals liegt dadurch auch dicht am Mast an.

7. Halsbeschlag, der mit dem Schlitten auf einem stabilen Stahlrohr gleitet, auf einem Seekreuzer mit Bindereff. Diese Konstruktion hat den Vorzug, einfacher und daher sicherer zu sein. Die seitliche Bewegung des Großbaumes erfolgt durch Drehen um das Stahlrohr. Bei Verwendung eines auf einer Schiene gleitenden Schlittens ist ein zusätzliches Gelenk für die seitliche Bewegung erforderlich.

 

8. Beweglicher Halsbeschlag auf einem Flying Dutchman. Das Vorliek des Großsegels sitzt, wie bei Rennjollen und kleineren Rennkielyachten üblich, in der Keep des Mastes. Der Schlitten gleitet auf einer kurzen Schiene und kann durch eine Flügelschraube festgestellt werden. Das (auch bei 1, 2, 80, 5 und 13) auf den Mast aufgemalte schwarze Band ist die untere von zwei Meßmarken, zwischen denen si ch nach Klassenvorschrift das Vorliek des gesetzten Segels befinden muß.

9. Snipe-Jolle mit einem Halsbeschlag, der auf einem Stahlrohr gIeitet.

 

10. Leichter Halsbeschlag einer Jolle mit Schlitten und Schiene. Die Halskausch des Segels wird mit zwei beweglichen Laschen festgemacht, die zwei Durchbohrungen für den Bolzen haben. Die äußere dient zum Festmachen des ungetrimmten, die zweite für das getrimmte Segel.

11. Beweglicher Halsbeschlag mit Schlitten und Schiene für das 194 m^2 große Großsegel der Schoneryacht "Ashanti IV". Als Halsstrecker dient auf dem großen Schiff eine Vierscheiben-Talje.

12. Fest am Mast angebrachter Halsbeschlag eines Seekreuzers mit Bindereff. Gewöhnlich werden ähnliche Halsbeschläge mit zwei um den Mast geschlossenen stählernen Bändern befestigt.

 

13. Der Halsbeschlag des 11-KR-Seekreuzers "Rubin", eine der schnellsten deutschen Hochseerennyachten. Der Schlitten des Halsbeschlages gleitet auf einer Schiene, in deren Mitte die Schiene für die Großsegelschlitten läuft. Die schmalen Schienen an beiden Seiten daneben dienen zum Anschlagen anderer Großsegel. Der Halsstrecker ist eine Dreischeiben-Talje, deren Zweischeiben Violin Block man unter dem Schlitten erkennt.