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Kulturelles

Schärenkreuzer & Luxusyachten

Vorgestellt von Volker Christmann

100 Jahre Schärenkreuzer und die zur Jahrhundertwende gebaute große Luxusyacht “Artemis” bilden die Themenschwerpunkte dieser Literaturempfehlung:

Zum Thema Schärenkreuzer gibt es eigentlich nur ein schwedisches Standardwerk, das, obwohl von 1991, sehr selten und auch in Schweden schwer zu bekommen ist: Per Thelander: „Alla Vara Skärgards Kryssare“. Reich mit Rissen bestückt und somit auch für Sprachunkundige zu gebrauchen. Thelander hat zusammen mit Maria Thorsell auch ein weiteres Buch zum Thema geschrieben: „Jakt pa Kryss“. Es ist reich bebildert, hat aber keine Risse und beschreibt die 25-jährige Geschichte des schwedischen Schärenkreuzerverbandes. Leider sind die Bücher bis heute nicht ins Deutsche übersetzt. In deutscher Sprache gibt es viele Artikel von Erdmann Braschos in diversen Zeitschriften, aber leider kein Buch.

Richtig Freude kommt auf, wenn es um frühe Literatur über die feinen und reichen Leute der Jahrhundertwende und ihre Bräuche geht. Es gehörte da-mals zum guten Ton, dass man das mit dem Schiff Erlebte von einem Profischreiber zu Papier bringen ließ und meist in kleiner Auflage und - ohne Verlag und Vertrieb - nur im privaten Freundeskreis verbreitete.
So steht beispielsweise in dem Buch von William K. Vanderbilt: „Vanderbilt,The Log of the Alva – from her launch to april 1891“ vorne drin „printed not published“. Oder in einem anderen Vanderbilt Buch, “Taking One’s Own Ship Around the World”, steht am Schluss geschrieben: “500 copies printed for William K. Vanderbilt / Nos 1–200 are bound in levant back and handmade paper sides and Nos. 201–500 are bound in buckram. This is number 351”. Zu deutsch: Es gab 200 Kopien in Ziegenleder gebunden und auf handgefertigtem Papier gedruckt und weitere 300 Kopien für den erweiterten Freundeskreis in einfachem Buchbinderleinen. Vanderbilt nahm auf dieser Reise z. B. einen Biologen mit, der hatte die Aufgabe, seltene und bis dato unbekannte Fische zu finden, zu zeichnen und zu dokumentieren.

Ein weiterer Mann, der diesen Brauch pflegte, war Sir Walter Runciman, Bart. Für seine Freunde druckte er von 1923 bis 1935, nicht jedes Jahr, „The private Log“, das dann beispielsweise in 1922 den Titel trug „Sunbeam“. Dies war die „Sunbeam“, mit der bereits die Familie Brassey um die Welt gesegelt war und über deren Reisen Lady Brassey etliche Bücher auch in deutscher Übersetzung schrieb. Sir Runciman verkaufte die „Sunbeam“ Ende der 20-er Jahre und ließ sich die „Sunbeam II“ bauen, somit hießen ab 1931 seine Berichte „Sunbeam II“. Amüsante Bücher in kleiner Auflage.

Was die Größe der Bücher anging, so ist die Serie der in feinstem Leder gebundenen Minibüchlein ( 8 x 6 cm bzw. 9,5 x 6,5 cm ) Cruises of „Aloha“ besonders erwähnenswert. Der Band für die Zeit 1927 and 1930 z.B. be- schreibt logbuchartig die Tagesabläufe und ist mit Fotos der Reise versehen. Aloha war eine über 60 m lange Drei- Mast-Bark, die wie die Sunbeam eher bereits zu den Großseglern zu zählen.

Es gibt reichlich weitere Literatur dieser Art, es wäre sicherlich mal einen eigenen Artikel wert. Hier in diesem Rahmen möchte ich statt dessen ein wenig auf deutschsprachige Bücher eingehen. Abgesehen von den Kaiseryachten, auf denen ein ständiger Gast und Schreiber Johannes Wilda war, z. B. mit dem Buch „S.M.Y. ‚Meteor’ – Sportliches und Amerika-Erinnerungen“, gab es in Deutschland wenige schreibende Mitsegler auf großen Yachten.

Hier herrschte schon damals ein gewisser Klassenneid, den man durch solche Publikationen nicht schüren wollte. Hier zu Lande sind besonders erwähnenswert die im Privatdruck des Verfassers erschienen Reiseberichte von Paul Risch. Zwischen 1914 und 1925 erschienen mindestens drei, angekündigt waren 10 Bücher, über die Fahrten mit seinen Booten „Frohfahrt“ durch die mecklenburgische Seenplatte und die Ostseeküste. Titel seiner Bücher waren u.a. „Auf Bodden und See“ oder „Mit fröhlichen Gesellen über Land und Wellen“ oder „Sommertage auf schwankendem Kiel“ – auf tausend Meilen Umweg von Werder nach Paretz.

Ab 1975 bis Mitte / Ende der 90er Jahre betrieben die Weltumsegler Dorothea und Peter Bufe in Berlin einen kleinen Selbstverlag, in dem dann u.a. ihre Bücher in einfacher broschier-ter Form erschienen. Die hatten Titel wie „Ein Traum ging in Erfüllung“ oder „Die gestohlene Yacht, Hikuero III“. Die Bufes waren es auch, die sich damals um vergriffene Klassiker der Yachtliteratur kümmerten und beispielsweise das tolle Buch von Annie van de Wiele: „Vom Winde getrieben, von Wellen gewiegt – Eine Weltumseglung“ wieder neu aufgelegt haben. Jetzt sind sie tot und mit ihnen ihre Ideen.

Heute im Zeitalter von Books-on-Demand & Co., wo es möglich ist, für relativ kleines Geld Bücher in kleinster Auflage zu drucken, wäre die Chance da, die alten Bräuche wieder aufleben zu lassen. So bekam ich kürzlich von unserem Mitglied Dr. Peter Koerfer 2 Bände seiner Reisen zur Les Voiles de Saint-Tropez – der früheren Klassiker Regatta La Nioulargue - geschenkt, die in eindrucksvollen Bildern und kurzen Texten seine Teilnahme dokumentieren und natürlich ein Privatdruck in nummerierter Kleinstauflage darstellen. Im Prinzip das, was die vermögenden Großväter bereits vor 100 Jahren taten, heute aber erschwinglich ist.