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Plön Pokal - ein alter Segelpokal lüftet sein Geheimnis

Ein Segelpokal kehrt zurück – Eine Antwort nach 40 Jahren Zunächst war es ein Foto, das zunächst vor 40 Jahren eine Frage aufwarf. Dann tauchte im letzten Jahr überraschend ein Segelpokal auf, der eindeutig eine Antwort auf die damals gestellte Frage gab. Worum ging es?

Passat – eine H-Jolle wechselt den Besitzer

Mitte der 1970er-Jahre kaufte sich unser Autor eine klassische, gaffelgetakelte 15-qm-Wanderjolle (H-Jolle). Die Überraschung war groß, als sich bei der Suche nach der Geschichte und Herkunft der Jolle herausstellte, dass es eine von drei ehemaligen Ausbildungsjollen der Internatsoberschule Schloss Plön war – vor seiner Zeit als Schüler dieser Anstalt.

Parallel zum Erwerb dieses ersten eigenen Bootes entwickelte sich dann eine über 30-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand der H-Jollen-Klassenvereinigung und vor allem das Interesse an der Geschichte des deutschen Jollensegelsports. 

 

Ein Kind ohne Papiere

Angefangen hatte alles mit dem Ausruf des ehemaligen Internats-Bootsbauers Friedrich „Fiete“ Schlüter im bestem Plattdeutsch, als er die Jolle mit der Segelnummer H 132 auf dem Bootshausgelände des Staatlichen Internatsgymnasiums, im Schüler Ruder- und Segelverein (SRSV), zu Wasser gebracht hat: „Dat Schipp kenn ik ! Dat ist doch de Lilofee.“ Nein, die Lilofee war es nicht. Seine Jolle hieß ursprünglich Passat. Ohne Messbrief war es zunächst schwierig, etwas zur Vergangenheit und Herkunft der Jolle zu erfahren. Nur eine Karte mit Bootsnamen, Baujahr und den Namen Lehmann war vorhanden. Allerdings kein Hinweis, wer das sein sollte. 

 

Der alte Moritz hatte eine Idee

Auf die Idee, sofort beim DSV nachzufragen, kam unser Autor zunächst noch nicht. Erste Telefonate brachten mit dem Namen Lehmann nach ersten Recherchen einen Konstrukteur aus Berlin-Woltersdorf ins Spiel. Sollte seine Jolle dort konstruiert und gebaut worden ein? Zuletzt gab es auch einen Hinweis, den Lübecker Segelmacher Moritz zu kontaktieren. Und wenig später hatte er tatsächlich den damaligen Seniorchef der Firma Moritz-Segel am Apparat. „Lehmann aus Berlin? Nein. Es gibt einen Fuhrunternehmer Edgar Lehmann (Kohlen und Kies) aus Lübeck, der meines Wissens mal eine H-Jolle besessen hat“, war die überraschende Antwort. Dann ging alles sehr schnell und das nächste Telefonat mit dem besagten Ersteigner brachte die Entstehungsgeschichte der Jolle ans Licht: Es handelte sich um einen Eigenbau von 1947 aus heller Eiche des Konstrukteurs Dose aus Lübeck. Als Dank gebaut, so Lehmann, dass er diesen „über den Krieg“ gebracht habe. Die Nieten hätten sie aus Kupfer-Freilandleitungen geschnitten. 

H 132 auf einem Lehmann LKW

 

Ein Familienalbum wurde „geplündert“

Wenig später bekam unser Autor per Post jede Menge Fotos aus den Anfangsjahren der Jolle. Konstrukteur und Erbauer Dose selbst hat er auch noch persönlich bei einem Besuch kennengelernt. Lehmann selbst aber erst 1985, als er den Erstbesitzer der Passat zum Jubiläumstreffen „60 Jahre H-Jolle“ nach Bosau am Großen Plöner See eingeladen hatte. Übrigens mit fast 80 H-Jollen aller Baujahre die größte Regatta der Klasse bis heute.

1949 nahm Lehmann mit seiner Passat an der ersten „Travemünder Woche“ nach dem Krieg teil. Zuvor hatte er sie am 24.07.1949 in Travemünde vermessen lassen, wie aus der Kopie des später beim DSV angeforderten Messbriefes hervorging. Eingetragen und beglaubigt noch vom „Arbeitsausschuss Segeln für das britische Kontrollgebiet einschließlich Bremen“ in Hamburg.  

 

H 132 Lübeck

 

 

Plön oder nicht Plön … das war hier die Frage

Ein Foto aus der Lehmann-Sammlung konnte unser Autor ortsmäßig nie einwandfrei zuordnen. Es zeigt den jungen Lehmann nahe eines Hauses, das sehr dem noch heute existierenden und zum Wohnhaus umgebauten Bahnwärterhäuschen an den ehemaligen Bahnschranken nahe des Plöner Segler-Vereins ähnelte. Sollte Lehmann schon früh mit der Passat auch schon mal in Plön gewesen sein?

Inzwischen hatte der Autor auch die Geschichte der anderen, viel älteren Internats-H-Jollen recherchiert und immer wieder Kontakt zu einstigen Schülern, die auf diesen Jollen das Segeln gelernt haben, aufgenommen. Spannend die Erinnerungen von zwei Ehemaligen, die 1953 und 1955 mit den H-Jollen am Norddeutschen Jugendseglertreffen auf der Schlei teilgenommen haben (Link zur Seite im Yachtsportmuseum).

Regatta auf dem Plöner See, 1950er Jahre

 

Ein Pokal gibt Antwort

Noch spannender aber zuletzt ein Paket, dessen Inhalt ihm von einem der damaligen Schüler, Jochen Hucke (87), „zur weiteren Verwendung“ überlassen worden war: Es enthielt u.a. einen Pokal, gestiftet 1949 als Wanderpreis von der Stadt Plön für eine erstmals nach dem Kriege ausgetragene H-Jollen-Regatta auf dem Großen Plöner See. Erstgewinner – Überraschung! – : Lehmann vom Lübecker Segler-Verein von 1885 auf H 132, Passat. Der tanzende Mann mit Schippermütze auf dem Foto führte seinen „Siegestanz“ (?) also tatsächlich vor dem einstigen Bahnwärterhäuschen in Plön auf.

Eine Ergebnisliste dieser ersten H-Jollen-Regatta auf dem Plöner Revier konnte bisher nicht ermittelt werden. Anzunehmen ist, dass neben der H 132 noch zwei weitere, schon damals auf dem See beheimatete H-Jollen, H 19 und H 776, teilgenommen haben. Beide hatten zwischen 1950 und 1955 die Regatta je zweimal gewonnen. Mit dabei waren sicher auch die noch unvermessenen Internats-H-Jollen, Klabautermann, Siegerjolle 1951, und Lilofee – deren beider eher zweifelhafte Vergangenheit in Plön schon 1936 zur NPEA-Zeit begonnen hatte. 

Plön Pokal 1949 gestiftet von der Stadt Plön

 

1957 war Schluss

Lehmann war also mit der H-Jolle tatsächlich schon 1949 in Plön gewesen. 1957 ist der Pokal, übrigens der zweitälteste noch existierende Preis der H-Jollen-Klasse, zum letzten Mal vergeben worden. Jochen Hucke mit der H 221, Lilofee, hat ihn allerdings „aus Kostengründen“, wie er float in einem Interview verriet, nicht erneut gravieren lassen und nun der Klassenvereinigung zurückgegeben. „Wer ihn damals zweimal hintereinander oder dreimal in unterbrochener Reihenfolge gewann, konnte den Wanderpreis endgültig behalten. Zweimal hintereinander … das war ja dann ich.“  

Plön 1957

 

Ob, und zu welchem Anlass der Preis wieder ausgeschrieben wird, ist noch nicht entschieden worden. 

Über den 20 Jahre älteren Pokal der Klasse, den Kobold-Preis, wird hier berichtet: Link

 

Michael Krieg